Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
GK - IML
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1568674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1570173
414. 
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erwähnten Blätter mit dem fünften Zeichen von ihm herrühren. In 
diesem Falle wäre er der Zeit- und Stadtgenosse des Ursus Graf, da 
die Passion von D. Agricola 1511 in Basel erschien. Jedenfalls findet 
in vielen Bljtttern in Zeichnung und Schnitt ein so grosser Unterschied 
statt, dass man wohl zwei verschiedene Künstler annehmen könnte. 
Das technische Verfahren entscheidet indessen nicht, indem Ursus Graf 
wohl nur den geringen Theil selbst in Holz geschnitten hat. Er war 
als Goldschmied zeichnender Künstler, wie seine Mappe im Museum 
zu Basel zur Genüge beweiset. Die Passion von Agricola kann uns 
auf die Spur eines zweiten Meisters leiten. Das Blatt mit Christus am 
Oelberge ist mit dem Buchstaben M bezeichnet, Welcher ebensowohl 
den Zeichner, als den Formschneider andeuten könnte. Auf einem 
grossen Holzschnitte in der unten erwähnten Ausgabe des Eutropius 
stehen die Buchstaben M VA übereinander. Diese dem A. Dürer nach- 
geahmte Leiste hat auch die Abbreviatur VHS, worunter ein Ursus 
zu verstehen ist, welcher den Titelholzschuitt zu den Constitutionen 
des Papstes Olemens V. mit dem vollen Namen VRSVS bezeichnet hat. 
Wenn darunter Ursus Graf zu verstehen ist, so hat er durch die Abbre- 
viatur sich als Copist einer Düreüschen Titelleiste legitimirt, und in 
dem grossen Blatte zu den Constitutionen eines der schönsten Original- 
werke geliefert. Letzteres weicht auch im Schnitte gänzlich ab, und 
wir möchten daher glauben, dass die Leiste mit der Abbreviatur von 
einem anderen Künstler herrühre, von jenem mit dem Löthrohre, 
welcher auch die saugende Madonna nach Dürer's Holzschnitt B. No. 34 
copirt hat. Dieses Blatt ist ebenialls mit dem Monogramme und der 
Boraxbüchse darüber bezeichnet. Vielleicht tritt dafür der Goldschmied 
Ursus Gemberlein ein, der Meister mit der Boraxbüchse, welcher auch 
an den Blättern zur Passion des D. Agricola Theil hat. Der Buchstabe 
M auf dem Blatte mit Christus am Oelberge könnte dann einen 
Formschneider andeuten, wenn wir annehmen wollen, dass der Mono- 
grammist mit dem Löthrohre zeichnender Künstler war. Derselbe 
Formschneider müsste dann auch unter den Buchstaben M VA seine 
Mithülfe kund gegeben haben. Auf dem unten erwähnten Blatte mit 
dem Opfer der hl. Maria im Tempel stehen die Buchstaben FM S. 
Dass die vielen mit dem einen oder dem anderen Monogramme 
bezeichneten Blätter in Zeichnung und Schnitt nicht von dem einen 
und demselben Meister herrühren können, lehrt der Augenschein. Die 
Blätter sind in der Conception verschieden, nicht selten alterthümlich, 
und dann auch wieder in einer der Düreüschen Richtung verwandten 
Weise behandelt. Der Einiiuss des H. Holbein ist weniger erkenntlich. 
Holbein war noch ein Jüngling, als Ursus Graf schon den grössten 
Theil seiner Arbeit vollbracht hatte. Man wollte nicht mit Unrecht 
annehmen, dass ihn letzterer auf die Formschneidekunst gebracht habe. 
Dem Urs Graf gehört das erste, zweite, dritte, sechste, siebente 
und achte Zeichen sicher an. Diese Monogramme kehren aber nicht 
stereotyp wieder. Sie sind auch schief, und kleiner eingezeichnet, je 
nach der Grösse des Blattes, und nach der örtlichen Lage, so wie wir 
sie schon im zweiten Bande No. 744 gegeben haben. Es vermutheten 
nämlich nicht alle G V, sondern auch C V, indem diese Form des G 
jetzt ungewöhnlich ist. 
Das neunte Zeichen gehört ebenfalls dem Urs Graf an. Es ist 
der Dolch oder das Schneidmesser zur Bildung des V benützt, so wie 
beim ersten Monogramme. Das letzte Zeichen kommt auf einem Blatte 
der grossen Passion vor, über welche wir unter VG handeln. Es sind 
vielleicht die Buchstaben der übrigen Monogramme darin nicht ent- 
halten. Wenigstens tritt das G nicht hervor.
        

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