Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
GK - IML
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1568674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1570035
365. 
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in Truck verfertigt: 1 Durch Huldrichum Frölich Plavensen, jetzt 
Burger zu Basel. Gedruckt zu Basel, ] durch Huldricltum Fröliclt, 1 
Im Jar- -M.D.LXXX VIII. Mit 44 Holzschnitten, welche unten 
aufgezählt sind. 
Huldrich Fölich von Planen, welcher den 3. Februar 1610 in 
Basel starb, hat durch dieses Werk eine bis in die neueste Zeit dan- 
ernde Verwirrung angerichtet, indem die allerwenigsten Vorstellungen 
den gegenwärtigen Todtentanzgemälden in Basel und Bern entnommen 
sind. Der Meister G. S. copirte grösstentheils die Holzschnitte des 
Hans Holbein jun., welche mit den restaurirten und seit 1616 verun- 
stalteten Gemälden nicht stimmen. Es bleibt daher nicht nur die Titel- 
schrift auffallend, sondern auch die Erklärung Frölich's in der Vor- 
rede, wo er ebenfalls sagt, was er in Druck ausgehen lassen wollte, 
nämlich den „Todtentanz, wie er zu Basel der Ordnung nach auf 
S. Predigeris Kirchhod mit teutschen Reimen verzeichnet, mit sammt 
dem Bernischen, weil sich derselbe gar artlich mit (dem) der weithe- 
rühmpten Stadt Basel vergleichet." H. Frölich erklärt also dadurch 
wohl deutlich, dass er die Scenen des fraglichen Todtentanzes in Holz- 
schnitten beifüge, in welchen die Holbeinischen Figuren enthalten seyn 
mussten, da der Herausgeber seinen Mitbürgern gegenüber es nicht 
gewagt hätte zu schreiben, dass er den Todtentanz, wie er zu Basel 
der Ordnung nach 8m. verzeichnet, in seinem Buche mit den Reimen 
gebe. Wir glauben daher nicht, dass ihm nach Massmann (die Basler- 
Todtentänze. Stuttgart 1847) die Reime anscheinlich die Hauptsache, 
und die Illustrationen nur Nebensache waren, wenn er auch in der 
Vorrede von „schönen und nützlichen, allerley Ständt und Völker Habit 
und Kleidung abbildenden und zu beiden Todtentänzen dienenden Fi- 
guren" spricht. Der Meister G. S. mag die berühmten Holzschnitte des 
H. Holbein allerdings benützt haben, weil ihm die Zeichnung reiner 
vorlag, als in dem von Hans Hug Kluber 1568 restaurirten Gemälden 
des Todtentanzes an der Mauer des Prediger Kirchhofes in Basel, es 
ist aber auch möglich, dass die Zeichnungen nach den Gemälden in 
Basel und Bern gemacht wurden, da die Blätter grösser sind, als jene 
von Holbein. Dass wenigstens-einige Gemälde nachgezeichnet wurden, 
beweiset das Bild des H. H. Kluber im Cyklus der Vorstellungen, 
welcher sich also bei der Restauration Zusätze, und wohl auch Aen- 
derungen erlaubte, wodurch das ursprüngliche Gepräge litt. Eine ganze 
Umgestaltung erfolgte erst 1616, so dass die Holzschnitte von GS mit 
den Gemälden nicht mehr stimmen, wie auch aus den Copien von 
M. Merian zu ersehen ist. Wir glauben aber, dass die Holzschnitte 
nnsers Meisters die Compositionen enthalten, wie sie nach der Restau- 
ration von 1568 in Farben ausgeführt waren, und H. Frölich nahm 
für seine Reime auch Bilder des Berner Todtentanzes hinzu. Wenn 
dieses, wie wahrscheinlich, sich so verhält, dann konnte Frölich ohne 
Anstand sagen, dass er den Baseler Todtentanz und den Berner in 
Abbildung mit den Reimen gebe. In diesem Falle hätte Professor 
F. Fischer recht, wenn er in seiner Denkschrift zur Einweihung des 
neuen Museum in Basel den Grossbasler Todtentanz auf den Holbein- 
schen Ursprung zurückführt, während man bisher nur die berühmten 
Holzschnitte dem H. Holbein zuschreibt, und nicht zugibt, dass er 
Todtentanzbilder in Farben ausgeführt habe. Wenn aber die Holz- 
schnitte des Meisters G. S. den Basler Todtentanz nach der Restau- 
ration von H. H. Kluber in Abbildung geben, so muss nothwendiger 
Weise H. Holbein Zeichnungen zu den ursprünglichen Gemälden ge- 
geben haben, da Figuren in seinen Holzschnitten vorkommen. Letztere 
sind aber bedeutend später erschienen, indem die Gemälde zwischen 
Monogrammisten Bd. III. 8
        

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