Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
GK - IML
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1568674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1569929
102 
341. 
in allen Exemplaren sich ünden. Die Arbeit ist für G. Tory zu gering, 
und von widerlicher Trockenheit. Tory war dagegen ein erfindungs- 
reicher Künstler, der sich wohl zur Nachbildung fremder Compositionen 
nicht herbeigelassen hat. Der Oopist erreichte die schönen Vorbilder 
des Guadagnino nicht. Wir möchten ihn in Italien suchen, wo mit den 
Copien nach Frankreich spekulirt wurde. Französische Inschriften 
kommen auch auf Exemplaren der von Zoan Andrea Vavassore in Holz 
geschnittenen Marter des hl. Lorenz nach Baccio Bandinelli vor. Den 
Wortlaut der reichen Aufschrift gibt R. Weigel im Kunst-Kataloge 
No. 13,916, der dort erwähnte französische Meister Jean Rahel hat 
aber die Vorstellung nicht in Holzgeschnitten, sondern in Kupfer ge, 
stochen, und selbe mit dem Namen bezeichnet. Auch Vavassore's alle- 
gorischer Holzschnitt mit Glaube, Hoffnung und Liebe findet sich mit 
französischen Inschriften in Typendruck, anscheinlich nicht in Copie, 
sondern in Original. Dann haben wir auch eine spätere Ausgabe des 
Tizian'schen Triumphes Christi in zehn Blättern mit französischen In- 
Schriften im Drucke. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurden 
auch noch mehrere andere italienische Formschnitte mit französischen 
Inschriften versehen, wahrscheinlich des weiteren Vertriebes wegen, 
nachdem in Italien der Absatz vorüber war. Das sogenannte Kreuz 
von Lothringen, welches Bernard über dem G des Zeichens für T ge- 
nommen zu haben scheint, deutet nicht ansschliesslich auf Frankreich, 
es bedienten sich desselben auch italienische Meister, namentlich viele 
Buchdrucker. Ueber französische Meister mit dem Kreuze werden wir 
unter den figürlichen Zeichen handeln. 
Wenn wir nun den Träger des obigen Zeichens eher für einen 
Italiener, als für einen Franzosen halten möchten, so sollte uns irgend 
ein triftiger Grund dabei unterstützen, welchen wir aber eben so wenig 
haben, als unsere Vorgänger. Für die erwähnten Meister können wir 
indessen nicht stimmen, und somit ist wenigstens eine Vermuthung er- 
laubt. Der Copist der Blätter mit den Arbeiten des Herkules dürfte 
um 1540-1550 gelebt haben. In jene Zeit setzt Zani den Messer 
Gualtiero oder Gualterio da Padua: Er bringt ihn mit Dome- 
nico Campagnola in Verwandtschaft, und fand ihn als Formschneider 
erwähnt, ohne dass Jemand ein Blatt mit seinem Namen nachweisen 
konnte. Das Monogramm könnteman wohl Gualterius Sculpsit deuten, 
es ist aber der Umstand zu berücksichtigen, dass G. A. Vavassore da- 
mals noch gelebt hat. Er befasste sich noch 1544 mit dem Büclferdruck, 
und später sind die Blätter mit den Arbeiten des Herkules und den 
franzüsischen Inschriften kaum entstanden. Die Nachbildung, oder eine 
zweite für Frankreich berechnete Ausgabe, könnte daher nur mit Wissen 
und Genehmigung des Vavassore erfolgt seyn. Ein Exemplar der Ori- 
ginalausgabe befindet sich im k. Cabinet zu Berlin, Es besteht in zehn 
Blättern, und auf dem letzten steht: Opera dt Gzooanni Andrea Va- 
vassori dem; Guadagnino. Wenn nun der Künstler wirklich einen 
Nachschnitt veranstaltet hat, und derselbe nicht von Gualterio herrührt, 
so bezieht sich das Monogramm auf Guadagnino selbst, und es ist als 
Zeichen des Verlages zu betrachten, worauf das Benediktnskreuz deutet. 
Man kann Guadagninus Sculptor lesen, es ist aber nicht die Folge, 
dass Vavassore den Nachschnitt selbst geliefert habe, indem er geringer 
ausfiel, als das Original. Dagegen ist einzuwenden, dass der Künstler 
sonst IA, 511 und ZA gezeichnet habe, und das obige Monogramm 
ihn daher nicht andeuten könne. Vavassore zeichnete aber auch G, I G. 
und I0. G., und wechselte somit mit der Signatur der Blätter. Wenn 
das über dem Buchstaben G stehende Kreuz auf einen Verleger
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.