Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
CF - GI
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1557129
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1562997
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1477. 
unter dem Thronhimmel in einer gothischen Capelle auf dem Altare 
zwischen einem Engel und dem hl. Meinrad. Am Fusse des Altares 
kniet links eine Frau und rechts ein Mann, beide in Pilgerkleidung. 
Auf der Gallerie der Oapelle erscheinen die drei göttlichen Personen 
mit vielen Engeln, und der Sohn taucht den Weihwedel in das Wasser- 
gefäss, welches ein Engel hält. Links oben am Bogen der Kapelle ist 
die Jahrzahl 1466, und rechts der Buchstabe E, wie oben inzweiter 
Reihe gegeben. Ueber dem Bogen steht in kleiner gothischer Schrift: 
2m; o ist o nie o engelwirbi o 3a o unfer o liehen o froumen o 31: o um 
o tiitfuhltn o au: o graciu o plenna o An den Seitenpteilern, welche dem 
Bogen mit (Er Gallerie tragen, sind Steinmetzzeichen. H. 7 Z. 10 L. 
Br. 4. Z. 8  
Dieses äusserst seltene und kostbare Blatt, welches schon 1821 
bei der Auktion der Snmmlung des Mr. E. Durand mit 1200 Frs. be- 
zahlt wurde, erscheint beim Vergleiche mit der betenden Madonna 
N0. l als ein Meisterwerk damaliger Zeit, und es ist daher nur eine 
Phrase, wenn man sagt, dieselbe und noch andere analoge Blätter ge- 
hören in die frühere Periode des Meisters, also in eine Zeit, in welcher 
dieser noch nicht auf der Höhe seiner Kunst angekommen wäre. Da. 
die betende Madonna mit der Jahrzahl 1467 bezeichnet, die Engel- 
weihe im Jahre vorher entstanden ist, so müsste man eher einen Rück- 
schritt annehmen, wogegen aber andere Blätter mit dem Datum 1467 
sprechen, welche theils eben so trefliich gestochen sind, als jenes der 
Engelweihe. Das Räthsel erklärt sich nach unserer Ansicht aus der 
Zeichnungsvorlage. Jene zur Madonna N0. l war breiter behandelt, 
mit stärkeren Schattenangaben vielleicht durch Tusch; die Zeichnung 
zur heil. Maria von Einsiedel mit feinem Stifte ausgeführt, und vor- 
züglich auf den genauen Umriss berechnet, ohne eine strenge Model- 
lirung in den Gewändern lund nlajckten Thäilelnq ,doder eine malerllische 
Wirkun erzielen zu wo len. ie beten e a onna ist zierlic ge- 
rundet, {liie Engelweihe aber im Ganzen flach gehalten, da die feinen 
Strichelungen in den Gewändern und Köpfen nicht in strengen Schatten- 
massen hervortreten. Nur der Grund der Capelle oder Altarnische ist 
schraflirt, so dass das Bildwerk sich im Lichte ablös't. Der Stecher 
hat augenscheinlich eine Stiftzeichnung nachgeahmt, und zwar jene 
eines Künstlers, welcher seiner Zeit vorgeeilt ist. Dicss kann aber der 
Meister E. S. nicht seyn, da seine Blätter in der Zeichnung ungleich 
erscheinen. Hat er die Zeichnung zur betenden Madonna, und zu an- 
deren Blättern mit Darstellungen in der Weise der oberdeutschen 
Schule gemacht, dann hat er die Engelweihe von Maria Einsiedel lilliCllt 
ezeiclinet. Wenn wir nicht zwei Meister E. und E. S. anne men 
dürfen, so ist man nach unserer Ueberzeugung doch gezwungen, nicht 
jede im Stiche vorhandene Composition der einen und derselben Hand 
zuzuschreiben. Frenzel, 1. c. S. 81, schreibt zwar alles dem Meister 
E. S. zu, man sieht aber den Zwang heraus, welchen ihm seine Cha- 
rakteristik anlegte. Er wollt-e aber einmal eine übermässige Zahl von 
theils unter sich ungleichen Kunstprodukten dem Meister E. S. auf- 
laden, als wenn gerade er der einzige Stecher und Zelßhner der Pe- 
riode um 1466 gewesen wäre. Mehrere Kenner und Kunstfreunde, und 
darunter erfahrne, unterscheiden, sehr wohl die Blätter unsers Meisters 
von jenen seiner Schule oder Richtung.  als Massstab können nur 
jene Stiche dienen, welche durch die Initialen E._ und  auf ihn 
verweisen, gesetzt auch, dass selbst diese Dlatter in technischer Hii1- 
sieht zuweilen Verschiedenheiten zeigen. Mit der Engelweihe stimmen 
nicht viele Blätter, entschieden die Anbetung der Königin B. 14 , in
        

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