Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
CF - GI
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1557129
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1557805
107. 
vorkommt. Diese Bemerkung ist der neuen Ausgabe des Catalogue du 
Mumie 11391901-8 m57 p. 39 beigefügt, man kann aber kein Gewicht 
darauf legen, da Cornelis Horebeut als Maler unbekannt ist. Das 
Zeichen ist so gar klein, dass es wohl auch G H gelesen werden kann, 
oder ursprünglich gewesen seyn mag. Es hindert daher nichts, das 
Monogramm auf Gerhard I-lorebont zu deuten, dessen köstliche Minia- 
turen grosse Verwandtschaft mit den Bildern llfemlingds zeigen. Wenn 
nun, wie wahrscheinlich, das Iliptychon wirklich von Horebont gemalt 
ist, dann steht er nicht allein als Illuminist unerreicht da, sondern es 
gebührt ihm auch als Oelmaler seiner Zeit der Kranz. Das genannte 
Werk befand sich in der Abtei Dunes-lez-Bruges, und der letzte Abt, 
Nicolaus de Roovere, trat es 1827 dem M. van Ertborn ab. Früher 
hielt man dieses Diptychon für ein constatirtes Werk des Hans Hem- 
ling oder Memling. 
Zwei kleine Bilder von miniaturartiger Ausführung in Oel, 
und von nnbeschreiblichem Reize, befinden sieh seit kurzer Zeit 
in dem unter den Auspizien des Königs Mzixiinilian II. in München 
gegründeten bayerischen National-Museum. Das eine dieser Ge- 
mälde stellt die Maria mit dem Kinde im Gürtelstücke vor, erstere 
im blauen Gewande mit goldbraunem iiiegentlen Ilaare, letzteres 
in lichtblauem Kleide, an die Mutter sich anschmiegend. Der leichte 
Goldgrunxl ist rechts mit bräunlicher Idarhe sehattirt, und hebt die 
feingezeichncten, höchst zart vollendeten Figuren im vollen Lichte ab. 
Nur ein Miniaturinalei' kann so in Oel vollenden, und nur ein Meister 
ersten Ranges den kleinen Köpfen einen solchen wunderbaren Aus- 
druck verleihen. In München hält man dieses Bildchen für Heniling's 
Werk, oder wenigstens für jenes eines eminenten Schülers desselben. 
Wir können nach dem, was durch Harzen über G. Horebout bekannt 
ist, nur für letzteren stimmen, und werden dabei sicher nicht irren. 
Das gleich meisterhafte Gegenstück zu diesem Bildchen stellt den Ab- 
schied des Heilandes von der Mutter vor. In tiefem Ernst gegen die- 
selbe gewandt, erhebt er die rechte Hand, und Maria steht mit Thra- 
nen in den Augen mit gefalteten Händen vor ihm. Christus erscheint 
im blauen Recke, dessen Farbe nur etwas tiefer geht, als jene des 
Kleides der Maria. Die Köpfe sind von wunderbarer Feinheit, und 
von ergreifendQ Ausdrucke. In beiden Gemälden ist die eine und 
dieselbe Hand "zu erkennen, und da sie oben abgerundet sind, so 
könnte ursprünglich ein etwas höheres Mittelstück vorhanden gewesen 
seyn, so dass sie Flügel eines Hausaltärchens gebildet haben könnten. 
Die vorhandenen Gemälde sind nur 3 Z. 7 L. hoch, im Kleinen aber 
grosse Meisterwerke. Auf der Rückseite eines jeden sind die verzier- 
ten grossen Buchstaben I. M., welche wohl Jesus hilaria, nicht Johannes 
Memling bedeuten, wie man glauben wollte. Im bayerischen National- 
Museum befindet sich auch ein auf Perganient geschriebenes und mit 
Miniaturen verziertes Gebetbuch in gr. 8., als dessen ehemalige Be- 
sitzerin die Herzogin Anna von Bayern, 'l'ochter des Kaisers Ferdi- 
nand I., angegeben ist. Die Handschrift kann für diese Fürstin 
nicht ausgeführt worden seyn, da. sie 1528 geboren wurde. Schrift 
und Bilderschmuck deuten auf die Zeit von 1515-1520, und 
letzterer kann daher nicht von Memling herrühren , wie Einige 
glauben wollen. Wir können nur für Horebout stimmen, da dieser 
nach Harzen in die Fussstapfen jenes Meisters trat. Die Minia- 
turen sind von derselben Hand, welche die beiden Oelbildchen ge- 
malt hat. Der Abschied Christi von der Mutter wiederholt sich fast 
gleich im Horarium der Anna von Oesterreich, welche als Gemahlin 
des Herzogs Albert V. im Jahre 1580 starb. 
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.