Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
CF - GI
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1557129
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1557794
107. 
oder man glaubt wenigstens, die Blätter des Stammbaumes seien in 
den vom Grafen Raczynski erwähnten Urkunden begriffen. Den Ver- 
mittler machte Damian van der Goes, der portugiesische Gesandte zu 
Antwerpen, und Meister Simon war es daselbst, welcher den Auf- 
trägen des Königs sich unterzog. Nach den betreffenden Urkunden 
handelt es sich um coloriirte Zeichnungen zu 'I'apeten, welche die 
12 Monate vorstellten, um 12 andere zu Thürvorhangen, und um 
Illustrationen in Handschriften. In Antwerpen lebte Simon Portuga- 
loys, welcher daher wohl auch den Stammbaum des königl. Hauses 
Portugal gemalt haben wird. Dieses Werk gelangte unter Simon 
Bening's Namen an das brittische Museum. MeisterBening stand aber 
in Diensten des Königs Heinrich VIII. von England, und kam wahr- 
scheinlich mit Horebout über den Canal. Im Jahre 1537 arbeitete er 
wieder in Brügge, wie aus einer Urkunde des Herrn Princhart bei 
Harzen l. c. S. 15 erhellet. Er malte für den Schatzmeister des 
Ordens des goldenen Vliesses die Bildnisse Philipps des Guten, des 
Herzogs Carl, des Kaisers Maximilian, des Königs Philipp von Spanien 
und des Kaisers Oarl V. mit ihren Wappen. Seine "Tochter Liviena, 
ebenfalls eine tüchtige Miniaturmalerin, scheint in England geblieben 
zu seyn, indem sie nach Guicciardini successiv Heinrich VIIL, Elisa- 
beth und Maria gedient haben soll. Sie ist wahrscheinlich dieselbe 
Künstlerin, welche Vertue als Liviena Tirlincx aufführt. Lieven von 
Antwerpen und Simon Bening nimmt Harzen als Mitarbeiter des Hore- 
bout, mit Hans Memling muss sich aber der ungenannte Reisende des 
Morelli geirrt haben, indem dieser grosse Künstler das 15. Jahr- 
hundert nicht erlebt hat. Das erwähnte Breviarium gehört sicher dem 
16. Jahrhundert an, und ist in den ersten Jahren desselben -ent- 
standen. Der Bilderschmuck ist den Schöpfungen Memling's eben- 
bürtig, und zeigt, dass Horebout in der Schule desselben sich gebildet 
habe. Seine Wirksamkeit beginnt ungefähr dort, wo jene des Meisters 
aufhört; in seiner Kunst lebt sie gleichsam fort. Horeboutis Blüthe- 
zeit beginnt nach Harzen um 1500, und daher ist das von Descamps 
bestimmte Geburtsjahr 1498 viel zu spät angesetzt. Meister Gerhard 
hatte 1521 bei Dürefs Anwesenheit in Antwerpen bereits eine ISjührige 
Tochter, und somit darf man es füglich auf 1475 hinaufrücken. Sein 
Todesjahr ist unbekannt. Nach C. van Mander ging er erst bei heran- 
nahendem Alter nach England, wo ihm 1529 seine Frau starb. In 
der Kirche zu Fulham bei London war ihr Grabstein. 
Durch Herrn Harzen ist jetzt eine grosse Anzahl von Horebouüs 
Miniaturen nachgewiesen, doch kennt man kein sicheres, von dem- 
selben in England ausgeführtes Werk. Auch nur muthmasslich werden 
ihm Oelbilder zugeschrieben, deren Harzen 1. c. S. 18 aufzahlt. Die 
grösste Aufmerksamkeit verdient aber das bekannte, vortreffliche, lange 
als Memling's Werk betrachtete Doppel-Diptychon, welches aus der 
Ertbormschen Sammlung in die Antwerpeuer Gallerie überging. In 
neuerer Zeit ist man darauf aufmerksam geworden, dass zwei ver- 
schiedene Hände in demselben verwalten; denn der segenspendende 
Heiland von 1499 scheint sicher nicht von demselben Meister herzu- 
rühren, von dem die übrigen Tafeln ausgeführt sind. Es kann auch 
der bctende Geistliche in einem derselben, welcher an seinem Wappen 
für den Abt von St. Bavo, Robert de Olerq, erkannt wurde, nicht von 
Memling gemalt seyn, da. derselbe von 1519  1557 regierte. Man hat 
überdiess- das gegebene Monogramm darauf entdeckt, welches nicht 
auf Memling bezogen werden kann, da es aus den Buchstaben CH, 
oder vielmehr G H besteht. Der Abbe Carton legte es auf einen 
Cornelis Horebout aus, welcher in einem Genter Obituarium
        

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