Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
CF - GI
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1557129
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1557778
107. 
diesen Meister nennt, ist der anonyme Reisende des Jacobo Morelli 
in der Notizia dwpere di discgno etc. Bassano 1800. Er schreibt nam- 
lich die wundervollen Miniaturen des ehedem im Kircheuschatze von 
S. Marco zu Venedig, und jetzt auf der Bibliothek daselbst befind- 
lichen Breviars des Cardinals Domenico Grimani einem Girardo 
de Guant, dem Lievino da Anversa und dem Hans Hemling 
(Memling) zu. Unter Gerhard von Gent wollte Morelli den Gerhard 
van der Meer verstehen, den Schüler des Jan oder Hubert van Eyck, 
welcher zur Zeit, als das Breviarium illustrirt wurde, sicher nicht 
mehr lebte, indem dessen Nachrichten nur von 1447 bis 1474 reichen. 
Das Breviarium erwarb der Cardinal gegen 1521 von Messer Antonio 
Siciliano um 500 Zeehinen, und es muss noch ziemlich neu gewesen 
seyn, da auf fol. 781 der deutsche Reichsadler vorkommt, welcher 
nicht vor "Maximiliaifs Erwahlung zum deutschen Kaiser (1493) in 
Betracht kommt. Man glaubte indessen früher, der Codex habe der 
Maria von Burgund angehört; diese Fürstin starb aber schon 1483. 
Der Meister Girardo de Guant des anonymen Reisenden ist nach 
Harzen Gerhard Horebout, welcher auch Hoorenbout, Horebault, 
Hornebold, Hoerbout, Huerbout, Herrebout, Hurembout, Harem- 
berg u. s. w. genannt wird. Er ist jener Gerhard von Brügge , wel- 
chen Guiceiardini in der Beschreibung der Niederlande einen vortreff- 
lichen Illuministen, und ein anderes Mal Lukas Horebout nennt. 
Albrecht Dürer lernte Meister Gerhard den llluministen 1521 in Ant- 
werpen kennen, und er rühmt auch dessen ltijährige Tochter Susanna, 
welche ebenfalls so meisterhaft in Miniatur malte, dass ihr A. Dürer 
für ein Blattlein mit St. Salvator einen Gulden gab. Vater und 
Tochter kamen später in Dienste des Königs Heinrich VIII. von Eng- 
land. In einer von Vertue mitgetheilten Rechnung von 1538 heisst 
aber der Künstler Gerhard Luke Horneband, als besoldeter Maler des 
Königs, was jedoch nur auf einer irrigen Interpretation Guicciardinfs 
-zu beruhen scheint, welche auch andere Schriftsteller vcrleitete, den 
Meister Gerhard Lukas zu nennen, wie im Künstler-Lexicon des Ver- 
fassers dieses Werkes. Man nennt indessen auch einen Lukas Horc- 
bout als Sohn des Gerhard. In den Genter Annalen kommen sogar 
drei Künstler dieses Namens vor, keiner aber kann Gerhards Sohn 
seyn. Darüber ist Harzen 1. e. S. 9 nachzulesen, so wie über andere 
von G. Horehout illnstrirte Codices, welche im Besitze der Marga- 
retha von Oesterreich waren, und jetzt auf der Bibliothek in Wien 
aufbewahrt werden. 
Vor allen ist das berühmte Gebetbuch des Kaisers Carl V. zu 
nennen, ein Bandchen in schmal Duodez mit trefflichen Miniaturen 
vollendetster Ausführung. In einer derselben ist Carl V. in goldener 
Rüstung mit dem Königsmantel vorgestellt, so dass er also nach seiner 
am 13. April 1516 erfolgten Erhebung auf den spanischen 'I'hron, und 
vor dem 28. Juni 1519 gemalt ist, nämlich vor seiner Erwäthlung zum 
römischen Kaiser. Ursprünglich war aber dieses Büchlein im Besitze 
der Statthalterin Margaretha von Oesterreich, welche dasselbe ihrem 
Neffen Carl bei der Abreise nach Spanien verehrt haben wird. Ger- 
hard Horebout stand in Diensten dieser Fürstin, und das Bildniss des 
jungen Königs von Spanien wurde demnach später zum Andenken bei- 
gefügt. In den alten Rechnungen wird zwar dieses Gebetbuch nicht 
namentlich aufgeführt. Im Allgemeinen sind aber Horarien mit Male- 
reien des Gerhard von Gent genannt, und somit ist das erwahnte Buch 
um so eher darunter zu zählen, als die künstlerische Uebereinstimmung 
mit dem Breviarium des Cardinals Grimani evident ist. Eine zweite 
von Horebout illustrirte Handschrift, welche dem Breviar kaum nach-
        

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