Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
CF - GI
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1557129
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1561349
1004. 
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Plafond, und einige andere Bilder im Schlafzimmer. Der Berichtgeber 
bemerkt, dass der Maler Scenen nach Kupferstichen nach Rafael ge- 
malt habe, und es handelt sich daher nicht um den gleichnamigen 
Mitbewerber Tiziaiüs, welcher kaum fremde Compositionen gewählt 
hätte. Der ältere D. Campagnola stach auch nach Zeichnungen anderer 
Meister in Kupfer, und die Blätter dieser Art gehören gerade zu den 
geistreichsten und meisterlichsten, da sie öfters auch sehr correkt sind. 
Andere Stiche sind dagegen manierirt in der Zeichnung, und roh in 
der Behandlung, wie z. B. B. N0. 3, 4, 6 u. 9. Man kann sie sicher 
als eigene Compositionen des Meisters betrachten, und sie beweisen 
entschieden, dass der Tizianist dieses Namens ein anderer Meister 
seyn müsse, als der Knpferstecher von 1517. Zu den trefflichsten 
Stichen desselben gehört ein Bartsch unbekanntes Blatt mit einem 
Kindcrtanze von der lebendigsten Anmnth, mit dem Namen und der 
Jahrzahl 1517. Von sehr schöner Zeichnung in der Art des Giorgione, 
und wohl nach diesem, ist auch der junge Schäfer und der alte Krieger, 
mit dem abgckürzten Namen und der Jahrzahl 1517, B No. 8. Diese 
anifallende Verschiedenheit der Blätter Campagnolais lässt sich nur 
durch die Annahme erklären, dass er sowohl nach fremden, als nach 
eigenen Zeichnungen gestochen habe. Somit nahm er wahrscheinlich 
im Hause Oornaro Knpferstiche nach Rafael zum Vorbilde, welche als 
Novitäten auch dem Hausherrn gefallen konnten. Eine Hinneigung 
zu Tizian ist in keinem der Knpterstiche des älteren Campagnola er- 
sichtlich. Anders verhält es sich mit einem Theile der Holzschnitte, 
welche dem alten D. Campagnola, dem Stecher von 1517, zugeschrieben 
werden. Einige Blätter, besonders die Landschaften mit historischer 
StaiTage, erinnern wirklich mehr an Tizian, als an einen andern alten 
Meister der Schule des Gian Bellini, welcher der KupferstecherD. Cam- 
pagnola angehört. Tiziamsche Compositionen sind von letzterem sicher 
nicht in Holz geschnitten worden, und wenn je die Zeichnung von 
einem Domenico Campagnola herrührt, so ist es der jüngere Künstler 
dieses Namens. Etliche Blätter werden aber von dem älteren Meister, 
dem Knpferstecher, herrühren, wenn die Zeichnung den Charakter 
Tizian's nicht verräth. Sie sind auch mit dem Namen, oder der Ab- 
breviatnr und der Jahrzahl 1517 bezeichnet, was aber gerade nicht 
der vollste Beweis der Aechtheit der Holzschnitte ist, da der Name 
Campagnola erst später eingeschnitten seyn könnte. Diess dürfte z. B. 
mit der Landschaft der Fall seyn, in welcher St. Hieronymus vor seiner 
Höhle den Kampf eines Löwen mit einem anderen wilden Thiere be- 
obachtet. Im ersten Drucke steht unten rechts: DOMINICVS, Bartsch 
XIII. p. 385 gibt aber an, dass sich an diesen Namen auch noch die 
Abkürzung CAMPAG. füge. Uebrigens wäre es auch möglich, dass 
dasselbe Bild zweimal geschnitten wurde, in keinem Falle ist aber das 
Blatt von der Hand des KupferstechersD. Campagnola, da die Zeich- 
nung dem Tizian zugeschrieben wird. Es müsste sich um den jüngeren 
Campagnola handeln, von welchem auch die Composition herrühren 
könnte. Der Schnitt deutet nach Weigel, Kunstkatalog No. 14,612, 
auf Domenico dalle Greche, wie wir unter dem Initial D No. 877 an- 
gezeigt haben. Hinsichtlich der Holzschnitte scheint dieser Meister, 
welcher ebenfalls „Dominicust' zeichnen konnte, mit Domenico Cam- 
pagnola sen. in Widerstreit zu kommen. Der eine oder_der andere 
Fonnschnitt, welcher dem D. Campagnola zugeschrieben wird, dürfte 
von D. dalle Greche, dem Xylographen der Tiziamschen Schule her- 
rühren. In diese Categorie scheinen auch etliche unbezeichnete Blätter 
zu gehören, welchen augenscheinlich eine Zeichnung von Tizian zu 
Grunde liegt. Es ist aber auch der Jüngere Dom. Campagnola als
        

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