Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
CF - GI
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1557129
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1561331
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1004. 
des Dr. Marco Mantoa zu Padua Wassermalereien und Federzeich- 
nungen sah. Diess is't jener Meister, dessen wir im _ersten'Bande 
No. 2228 unter der Abbreviatur CAM. 1559 erwähnt haben. Von 
dem jüngeren Domenico Campagnola sind landschaftliche Zeichnungen 
im Charakter Tiziaifs durch Facsimiles bekannt, nämlich in der Folge 
von 30 Blättern nach Zeichnungen von Tizian, A. Carracci, Grimaldi, 
Guercino n. A., ehedem in Jabach's Besitz, jetzt im französischen 
Museum. Sie sind von-Ch. Masse (Mace), J. B. Corneille, M. Cor- 
neille u. s. w. radirt, und im Peintre- graveur franeais par Robert- 
Dumesnil beschrieben. Der jüngere Meister dieses Namens ist-auch 
jener D. Campagnola, welcher sich auf einer von G. Porro, dem Form- 
Schneider, radirten Landschaft mit Figuren bei anfgehender Sonnerals 
Erfinder nennt , qu. fol. Dom. Campagnola jun. radirte höchst wahr- 
scheinlich auch die mit 1). C. bezeichnete Gebirgslandschaft mit einem 
Dorfe , welche Marchese Malaspina di Sannazaro in seinem Catalogo 
di una raccolta di Stampe II. p. 48 dem alten Kupferstecher dieses 
Namens zuschreibt. H. 9 Z. 4 L. Br. 14 Z. 5 L. Solche Blätter 
haben vielleicht zu der irrigen Behauptung verleitet, dass Domenico 
Campagnola, der alte Kupfcrstecher, die Eau -f0rte zuerst angewandt 
habe. Für ihn lässt sich aber kein radirtes Blatt nachweisen. Ein 
zweiter Irrthuin ging aus der Verwechslung desselben mit dem Form- 
schneider Domenico dalle Greche hervor. Letzterer ist sicher jener 
Domenico Veneziano, welchen MorellPs Anonymus zu den Schülern 
des Julius Campagnola zählt. Domenico dalle Greche kann aber nur 
kurze Zeit unter Leitung dieses Meisters gestanden haben, da seine 
meisterhaften Holzschnitte Compositionen von Tizian vervielfältigen. 
Er ist höchst wahrscheinlich jener Meister D, dessen wir oben N0. 877 
erwähnt haben. Man erklärte bisher diesen Buchstaben auf Domenico 
Campagnola, die Tizian'sche Zeichnung lässt aber den Domenico dalle 
Greche vennuthen. Es kann auch nur letzterer gemeint seyn, wenn 
Malpe behauptet, dass Dom. Campagnola 1550 in Venedig gestorben 
sei. Heinecke verfiel in denselben Irrthum, welchen dann seine Nach- 
beter fortgepflanzt hatten. Das Todesjahr des älteren Domenico Cam- 
pagnola ist unbekannt. Er starb jedenfalls lange vor 1550. Wenn 
Zanetti l. c. p. 171 sagt, dass er im Kloster des hl. Anton zu Padua 
begraben liege, hat er wahrscheinlich den von ihm nicht vermutheten 
jüngeren D. Campagnola im Sinne. Wir wissen indessen nicht, 0b 
eine Grahschrift vorhanden ist. Nach Zanetti ruht der Künstler in 
der Gruft des Julius Campagnola im ersten Hofe des Klosters. Dass 
Zanetti nur den jüngeren D. Campagnola, den Schüler Tizianls, im 
Sinne gehabt habe, beweist eine Citation "einer Stelle aus den 1610 zu 
Venedig gedruckten Gedichten des Malers Gio. Bat. Maganza, welcher 
1589 im 80. Jahre starb. Dieser Künstler dichtete in der Paduanischen 
Volkssprache unter dem Namen des Bauers Magagnö. Er vergleicht 
seinen Freund und Mitschüler Dom. Campagnola bei Tizian mit Man- 
tegna und Sperone Speroni, diess im Angesichte seiner Werke in Padua, 
welche er zu den bessten Leistungen der Kunst zählt, sicher jene Ge- 
mälde, deren auch Brandolese erwähnt, und daruntepsolche von 1581. 
Wenn ihn aber der Dichter mit Mantcgna und Sperone auf gleiche 
Stufe stellt, so müssen" wir es nur als ein zufälliges Lob hinnehmen, 
welches er dem Freunde zollte. Ein Nachahmer Tizian's kann nicht 
mit Mantegna verglichen werden. 
Für den Kupferstecher und Formschneider Domenico Campagnola 
finden wir kein altes Zeugniss, wenn er nicht jener Domenico Vene- 
ziano ist, von welchem der anonyme Reisende im Hause des Ludovico 
Cornaro zu Venedig Gemälde sah, nämlich einige Köpfe an einem 

        

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