Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
CF - GI
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1557129
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1560884
901. 
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Künstlers beseitigt, so-wie auch die Orthographimdes Namens nach 
der eigenhändigen Unterschrift am bessten hergestellt wird. Nach der 
gewöhnlichen Angabe soll Dienecker in Nördlingen oder in Augsburg 
geboren worden seyn, er selbst nennt aber Antdorif, d. h. Antwerpen 
als seine Geburtsstadt. Nach Augsburg kam er auf Veranlassung des 
Dr. Conrad Peutinger, welcher an der Spitze der Kunst-Unternehmungen 
des Kaisers stand. Zu diesem Zwecke bedurfte er Maler und Form- 
schneider. Unter ersteren sind Hans Burgkmair und Hans Schäuffelin 
zu nennen, welche beide als junge Männer ihre Kräfte versuchten. 
Herberger gibt l. c. S. 28 Note 88 den Auszug einer Rechnung von 
1510, nach welcher dem Maler Burgkmair, einem Schreiner und zweien 
nicht genannten Formschneidern für 92 Bilder u. A. die Summe von 
113 tl. 24 kr. ausbezahlt wurde. Die fraglichen Bilder waren theils 
für das "Geschlecht des Kaisers" oder die Genealogien, theils für den 
Tewrdank bestimmt. Schäuifelin lieferte für diese Werke fast zu gleicher 
Zeit, anscheinlich vor 1512, ebenfalls viele Zeichnungen, und besonders 
zur Illustration des Weissk-unig. Die Platten zu den Bildern wurden 
in Augsburg geschnitten, theils von Deutschen, theils von Nieder- 
ländern, welche Peutinger dahin berief, und an deren Spitze als leiten- 
der Meister Jos Dienecker stand. Aus dem von Herberger gegebenen 
Schreiben des Künstlers an den Kaiser geht hervor, dass er seine Ge- 
hülfen leitete und lehrte. Er bereitete ihnen die Arbeit vor, und 
vollendete sie zuletzt mit eigener Hand, um den Schnitt rein und 
gleich zu machen. Auf diese Weise erbot sich Dienecker, mit zwei 
guten Gehülfen monatlich sechs bis sieben gute Stücke zu liefern. 
Peutinger nahm aber in der Folge gegen zwölf Formschneider für den 
Kaiser in seinen Dienst, und nennt unter diesen den Meister Cornelius, 
welcher wahrscheinlich mit Cornelius Liefrink Eine Person ist. Heller 
(Geschichte der Holzschneidekunst S. 99) nimmt diesen Meister nach 
den noch in Wien vorhandenen Platten der österreichischen Heiligen 
als sicher an, und nennt als Gehülfen noch den Hans Frank, Alexis 
Lindt, Wolfgang Resch, Hans "und Wilhelm Taberith und Nicolaus 
Seemann. Peutinger spricht in einer Eingabe an den Kaiser von 1512 
nur im Allgemeinen von Reissern und Schneidern, welchen er für die 
Platten zur Genealogie über 100 ü. Rhn. ausbezahlt hatte, wie wir bei 
Herberger l. c. S. 27 Note 85 ersehen. rDienecker arbeitete wohl auch 
an den Platten zu dem grossen Triumphwagen des Kaisers nach Zeich- 
nungen des H. Burgkmair. Sein Name steht auf der Rückseite einer 
der auf der k. k. Bibliothek in Wien aufbewahrten Platten, aber nicht 
im Bilde. Ob indessen der aufgeschriebene Name einen urkundlichen 
Beweis liefere, bleibt dahingestellt. Herberger fand kein Document 
vor, aus welchem Dieneckerls Theilnahme entschieden hervorgeht. 
Peutinger spricht in seinen Briefen nur im Allgemeinen von „Triumph- 
iiguren", worunter auch solche der Ehren- oder Triumphpforte des 
Kaisers verstanden werden könnten. Die Bilder zu diesem Werke hat 
grösstentheils A. Dürer gezeichnet, und nach Peutinger sind die meisten 
Zeichnungen desselben durch Stabius nach Augsburg gebracht worden, 
um sie in Holz schneiden zu lassen. Somit kann man Dieneckefs 
Autheil mit grosser Wahrscheinlichkeit annehmen. Peutinger beschäf- 
tigte in Augsburg noch 1516 wenigstens zehn Formschneider für den 
Kaiser, während nach seiner brieflichen Bemerkung bei Herberger 
l. c. S. 30 Note 93 Stabius in Nürnberg nur einen einzigen, wohl 
ausgezeichneten, hatte. Dienecker behauptete damals noch seine alte 
Stelle, indem er fortwährend für den Tewrdank arbeitete. Der Druck 
dieses Werkes dauerte volle fünf Jahre, da schon 1512 Platten ge- 
schnitten wurden, und dasselbe erst 1517 zu Nürnberg bei Hans Schön- 

        

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