Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
CF - GI
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1557129
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1558513
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310. 
darauf zurück, wo auch die Schlange oder der fliegende Drache abge- 
bildet ist. Selten kommen die Buchstaben L VC vor, über welche an 
betreffender Stelle gehandelt ist._ Als alleiniges Zeichen gelten auch 
öfter die beiden sächsischen Wappcnschilde, besonders auf Holz- 
schnitten. l)as Zeichen der geflügelten Schlange ist aber von grösserer 
Bedeutung, da es nicht allein auf Werken des älteren L. Cranach, 
sondern auch auf solchen seines gleichnamigen Sohnes vorkommt. 
Letzterer wurde 1515 geboren, und er arbeitete daher schon in einer 
Zeit, in welcher der Vater noch in voller Blüthe stand. Für ihn ent- 
scheiden einerseits nur die Jahrzahlen nach 1553. Uebrigens bleibt 
es dem Kenner überlassen, seine Gemälde von jenen des Vaters 
zu unterscheiden. Den Baden gibt Schuchardt an die Hand, welcher 
in seinem Werke öfter Veranlassung fand, das Verdienst beider Künstler 
zu würdigen. Der jüngere Lukas Oranach starb 1586. Hinsichtlich 
der geflügelten Schlange ist aber noch zu bemerken, dass sie nicht 
bloss auf Werken der beiden Cranach, sondern auch auf den Bildern 
der Schüler und Nachahmer vorkomme. Nach Schuchardt l. c. II. S. 7 
unterscheidet sich dieses Zeichen bei den eigenhändigeu Werken des 
älteren Cranach dadurch, dass die Flügel immer gerade in die Höhe 
stehen, "Fledermausflügel sind, während sie bei allen übrigen mehr 
oder weniger liegend, wie Vogelfiügel erscheinen. Letzteres ist auch 
bei den Werken des jüngeren Lukas Cranach der Fall, welcher die 
Schlange sehr eonsequent und fetter bildete, als der Vater. Der Ring, 
welchen sie im Munde hält, hat immer einen Stein, während der ältere 
Cranach auf Gemälden gewöhnlich nur einen einfachen Reif zeichnete. 
Auch die Jahrzahlen unterscheiden sich. Auf Bildern des Sohnes sind 
sie gleichmässig und schreibgerecht gebildet, und nähern sich mehr 
der modernen Form. Die oben beigefügten Zahlzeichen des älteren 
Cranaeh sind für ihn massgebend. Wenn ein Künstler, sagt Sehuchardt, 
sein ganzes Leben hindurch ein solches Zeichen gleichförmig macht, 
so kann man annehmen, dass es mit einer gewissen Freiheit und Vir- 
tuosität geschieht. Und diess ist auch bei (Jranach der Fall, so dass 
ein geübtes Auge schon darnaeh urtheilen kann, ob es verfälscht oder 
echt sei. Bei Copien, besonders solchen, welche in betrügerischer 
Absicht gemacht sind, und auf welchen das Zeichen in der richtigen 
Form erscheint, wird man diese am besten beurtheilen können. Ebenso 
findet man oft das Zeichen mit dem Grunde, worauf es steht, übermalt. 
Bei anderen eigenhändigen Werken, welche ursprünglich gar kein 
Zeichen hatten, oder auf welchen es verlöseht war, hat man es mit 
liegenden Flügeln hergestellt. Da nun das charakteristische Zeichen 
der Schlange einigen Anhaltspunkt geben kann, so werden wir das- 
selbe in der betreffenden Abtheilung mit den figürlichen Marken mit 
den Churschilden beifügen. Die übrigen Kennzeichen der Eigenhändig- 
keit CranaeHscher Werke lassen sich nicht versinnlichen. Sie liegen 
in dem geübten Auge des Kenners, welcher sie durch Beobachtung 
aufnimmt. So viel bemerken wir noch nach Schuchardt, dass sich auf 
ächten Bildern des älteren Cranach das Schlangenzeiehen weder durch 
Grösse, noch durch Farbe besonders bemerkbar mache. Es ist öfter 
mit dem Pinsel an solche Stellen gezeichnet, wo die darüber gezogene 
dünne Farbe es durehscheinen lässt. So verschieden auch die Form 
dieses Zeichens auf Knpferstichen und Holzschnitten ist, so hat es 
doch nicht einmal die Flügel liegend. Auch auf seinem Siegelringe 
stehen die Flügel der Schlange aufwärts. Den Wappenbrief ertheilte 
ihm der Churfürst 1508, und mit diesem das Wappen der geflügelten 
Schlange, welches eemplicirter ist, als im Ringe. Die Schlange er- 
scheint nämlich im Schilde und auf dem Helme. Das Zeichen der 

        

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