Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
CF - GI
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1557129
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1557374
VI 
Vorrede. 
so kann auch ich bei dem bessten Willen nicht jeder individuellen 
Ansicht genügen, weil ich ebenfalls die meinige habe, aber ohne 
glauben zu wellen, dass sie immer die richtige sei. Daher trage ich 
einer anderen um so mehr Rechnung, wenn ich die Ueberzeugung ge- 
winne, dass sie der Wahrheit näher komme. Da. wo ich im 
Irrthume bin, nehme ich gerne Belehrung an, und es soll nach Mög- 
lichkeit die Berichtigung erfolgen. 
Die grössten Schwierigkeiten bietet nicht selten die Monogrammen- 
Entzifferung, indem sie, abgesehen von irgend einer achtbaren alten 
Tradition, von jeher nicht aus Urkunden, sondern aus mehr oder we- 
niger gewagten Hypothesen geschöpft ist. Man muss daher selbst nach 
vieljäihriger Vorbereitung jedes einzelne Zeichen der Critik unterstellen, 
um den Irrthum nicht zu perpetuireu. In vielen Fällen bleibt es aber 
noch immerhin gewagt, aus dem Zeichen oder den Initialen einen 
Namen zu schöpfen, wenn auch Zeit und Ort der Entstehung eines 
Gemäldes, Kupfcrstiches, Holzschnittes u. s w. ermittelt werden kann, 
aber der Vergleich des Styls, und andere Gründe fehlen. Denn wenn 
auch ein Meister in der Stadt X oder Z gleichzeitig gelebt hat, und 
die Initialen oder das Monogramm auf seinen Namen passen , so ist 
es noch eben sowohl möglich, dass der Monogranimist ein anderer sei. 
Ich werde mich daher hüten, aus den Zeichen und Initialen so viele 
Namen als möglich herauszudeuten, und selbst in dem Falle, dass die 
Auslegung in mir zur Gewissheit geworden ist, werde ich in Ermang- 
lung positiver Gründe demjenigen nicht vergreifen, der einen höheren 
Grad von Weisheit zu besitzen glaubt. Es wäre zuletzt auch nicht 
sehr viel gewonnen, wenn der Name irgend eines der alten oder neueren 
Dunkelmänner ans Licht treten würde, und man wüsste sonst nichts 
von ihm. Von grösserer Wichtigkeit ist es, die Werke irgend eines 
Meisters X oder Z nach Zeit, Ort und Eigenthümliclikeit des Charakters 
zu ordnen, und dann mag er in seinem Dunkel verharren, bis eine 
andere Leuchte es durchdringt. Allein auch in dieser Ordnung liegt 
eine grosse Schwierigkeit, da Argusaugen dazu gehören, das ganze 
weite Gebiet zu überschauen. Ich will aber damit nicht sagen, dass 
ich jetzt mit der Aufzählung und möglichen Classiflcirung der ver- 
schiedenen Kunstprodukte allein zufrieden seyn wolle. Ich werde im 
Gegentheile viele bisher unbekannte Namen einzeichnen, und vielleicht 
ist der eine oder der andere später bestimmt, eine wichtigere Lücke 
auszufüllen. Wer sich als Künstler meldet, wird vorläufig zugelassen, 
er mag aber sehen, wie er im Concurse bestehe. 
Unter den Erscheinungen auf dem Gebiete unserer Literatur er- 
wähne ich vornehmlich des Peinlre-gravcztr par J. D. Passavant, Leipsic, 
B. Weigel 1860. Bis jetzt liegen uns zwei Bände vor, und dieses auf 
vieljähriger Forschung beruhende Werk ist uns von um so grösserer 
Wichtigkeit, als auch die Monogramme und Initialen beigefügt sind.
        

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