Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - CF
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1545733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1555594
GAM. 
2231. 
941 
erhobenen Händen bei einer Hütte, und das Kind liegt auf ihrem 
Schoesse. Gegenüber lehnt sich Joseph an den Baum, und stützt den 
Arm auf einen dünnen Ast. Im Mittelgruntie bemerkt man mehrere 
IIütten, und am Fensterladen einer derselben stehen die gegebenen 
Buchstaben. Im Hintergrunde kommen die drei Könige zu Pferd 
heran, mit einem Gefolge von mehreren llrlilllllßfll und Kameelen. 
Oben bemerkt man den Stern und eine (iruppe von drei Engeln. Zu 
den Iüissen der hl. Jungfrau ist eine Heuschrecke, ähnlich jenem 
lnsekte auf den Blättern mit der hl. Familie von Albrecht Dürer, 
Israel van Mecken und Marc Anton. 
Bartseh XIII. p. 370 N0. l schreibt eine Darstellung der Geburt 
Christi mit F. I. CA. dem Giulio Campagnola zu, indem er diese Ini- 
tialen "Fecit Iulius Campagnola" liest. Er sagt aber nichts von einem 
Zuge der Könige im Grunde, von der Engelgrilppe und dem Sterne 
oben, und von der Heuschrecke zu lllariziis Füssen. Auch bemerkte 
Bartsch das gegebene Zeichen eben so wenig, als Ottley in der History 
of Engraving II. p. 767. Es schweigt davon auch Frenzel im Catalog 
Sternberg I. No. 2411, und somit gibt es sicher Abdrücke ohne dieses 
Zeichen. Brulliot I. N0. 186 ist der Erste, welcher auf dasselbe auf- 
merksam macht, und zwar nach eigener Anschauung. Er ist aber ge- 
neigt, darin einen retonehirten Abdruck eines Blattes des Meisters 
mit der Heuschrecke zu erkennen, wenn je dieses Insekt als Künstler- 
zeichen zu nehmen ist. Die Grösse des Blattes bestimmt Bartsch auf 
10 Z. Höhe, und 8 Z. 8 L. Breite, und wenn im Cataloge Sternberg 
eine I-löhe von 1B Z. angegeben ist, so wird wohl ein Druckfehler ob- 
walten. Zwei verschiedene Dztrstellungen sind daher kaum vorhanden, 
sondern nur Abdrücke ohne und mit dem obigen Monogramme. Wir 
haben es nach einer von Herrn Direktor Passavant mitgetheilten Copie 
gegeben, so dass es von jenem bei Brulliot abweicht. Letzterer setzt 
II statt I-I, und mit dem M verbindet er den Buchstaben D. 
Dass Bartsch dieses Blatt dem Julius Campagnola zusehreibt, 
haben wir oben bemerkt. Der Stich ist sicher von einem alten italie- 
nischen Meister, und wahrscheinlich von einem Mitgliede der Familie 
der Campagnola, nur nicht von Julius, da das Blatt für ihn nicht 
stimmt. Ob es aber von Hieronymus Campagnola herrühre, wie Ottley 
glaubt, steht wieder im Zweifel. Man halt ihn für den Vater des 
Julius, und für einen Schüler des Squarcione, da Vasari im Leben 
des Vittore Carpaccio darauf hinweiset. Allein die Zeitgenossen ken- 
nen ihn nur als Gelehrten. Bernardo Scardeone widmet ihm in sei- 
nem Werke „De antiquitqte urbis Patavii" nur im Capitel „1)e claris 
gmmmaticis, rhetoribus, oratoribus" etc. eine Stelle, in jenem „De claris 
pictoribus, fusorlibus, naelatorilnas et architect-is" übergeht er ihn. Man 
kennt auch wirklich mehrere literarische und philosophische Werke 
von Campagnola. A. Zanetti, Cabinet Cicognara p. 167, zählt solche 
auf, darunter zwei Schriften vom Jahre 1514 und 1515. Niemand 
kennt aber bisher ein Gemälde von diesem Gelehrten, so dass die An- 
gabe des Vasari zweifelhaft bleibt, da er ebenfalls kein Malwerk nennt. 
Nur Mariette sagt in einem Briefe an Bottari, dass er in der Kirche 
des hl. Anton zu Padua ein Basrelief von der Hand des Girolamo 
Campagnola gesehen habe, allein dieses YVerk ist von Girolamo Cam- 
pagna aus Verona. Der Knnsthändler Pietro Bertelli gab ebenfalls 
eine in Kupfer gestochene, und dem Camillo Munarino da Reggio 
dedieirte Gruppe der hl. Jungfrau mit dem Leichnarne des Herrn für 
ein Werk des Girmamo Campagnola aus, sie rührt aber von dem viel 
jüngeren G. Campagna her. S0 wie man also dem Girolnmo Campag-
        

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