Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - CF
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1545733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1545938
Einleitung. 
III 
Wörterbuche zu geben; dieses Werk muss einem jeden Malerlexicon, 
einem jeden Handbuche für Kupferstichsammler u. s. w. gegenüber 
seine volle Selbstständigkeit bewahren, wenn ich auch nicht selten auf 
das grosse Künstler-Lexiccn verweise, da dem kunstliebenden Publikum 
nicht zum zweiten Male geboten werden darf, was es schon besitzt. 
Dagegen findet die einschlägige altere und neuere Literatur volle Be- 
rechtigung, ich nenne aber hier die Autoritäten nicht, da sie sich im 
Verlaufe des Werkes geltend machen müssen. Die Kunstliteratur ist 
bereits sehr reich, und es hat fast jeder Hauptmeister seine eigene. 
Die Hinweisung auf dieselbe, und auf den entscheidenden Gewahrs- 
mann, ist daher streng geboten. 
Der Gebrauch der Handzeichen datirt aus den Bauhütten des Mittel- 
alters, und Würde von den Steinmetzen und Architekten eingeführt. 
Der Schlüssel zu dieser Zeichenschrift lag damals in den Hütten, und 
MeiSißr und Gehülfen konnten sie lesen. Der wandernde Geselle legiti- 
mirtß Sich durch sein Handzeichen bei der Genossenschaft, indem er 
ES in den Zufällig gebotenen Stein meisselte, woraus die Mannigfaltig- 
keit der Steinmetzzeichen zu erklären ist. Das Verstandniss ging aber 
nach und nachiverloren, und daher ist nur noch eine massige Anzahl 
von Werkzeichen der Baumeister und Steinmetzen zu deuten. Die 
'l'rager derselben lebten grossentheils gegen Ende des Mittelalters. 
Die alten Maler bedienten sich nur selten einer für uns jetzt rathsel- 
haften Chiffre, und es steht dahin, 0b die wenigen Malwerke der frühe. 
ren Zeit des 15- Jahrhunderts, Welche ügürliche Zeichen ohne Buch- 
staben aufweisen, nicht von Baumeistern und Steinmetzen herrühren, da 
nicht selten der Architekt auch Bildhauer und Maler war. Die Maler 
und Kupfersteeher, sowie die Zeichner und Formschneider von Pro- 
fession, bedienten sich erst in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts 
eines Buchstabenmonogramms oder der Initialen des Namens, doch noch 
nicht allgemein, indem nur der kleinere Theil der Werke aus jener Zeit 
auf solche Weise bezeichnet ist. Es galt damals der Grundsatz: zur 
Ehre Gottes und seiner Heiligen zu wirken, und damit nicht zu prah- 
len. Den alten Malern genügte der Beifall der Mitwelt, welche die 
Kunst und den Meister ehrte, wenn sie in ihm den Priester derselben 
erkannte. Bei grösseren Unternehmungen wurden bindende Gontrakte 
geschlossen, da aber diese in den Archiven der Kirchen und Klöster 
aufbewahrt wurden, und durch die Unbill der Zeit grossen Theils zu 
Grunde gingen, so fehlt jetzt häufig der historische Anhaltspunkt, wenn 
nicht zufällig ein alter Chronist, oder der Maler selbst durch eine be- 
scheidene Inschrift zu Hülfe gekommen ist. Doch nur wenige alte 
Künstler fügten ihren Werken den Namen bei, besonders in Deutsch- 
land und in den Niederlanden. Häufiger sind die Namensinschriften 
auf italienischen Mal- und Bildwerken des Mittelalters und der Re- 
naissance-Periode, und nur einige Kupferstecher und Formschneider 
fingen gegen Ende des 15. Jahrhunderts an, ihr Eigenthäuli durch Mono-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.