Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - CF
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1545733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1554304
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1888. 
dictionary of painters and engravers), L. de Angelis (Aggiunta a Gio. 
Gori Gandellini Notizie degli intagliatori), Bartsch (P. gr. VII. p. 166 
N0. 157 u. T. X11), Zani (Enciclopedia Vol. IV. 2, p. 286), und 
Brulliot (I. N0. 778) äc. nehmen das Zeichen für Boldrini in An- 
spruch, und verstehen unter letzterem meistens einen Joseph Nicolaus 
Boldrini aus Vicenza, welcher aber nur durch Verwechslung mit Ni- 
colo Boldrini in die Kunstgeschichte kam, da er sich selbst nie Bol- 
drini, sondern Joseph Nicolaus Vicentinus nennt. Orlandi (L'Abece- 
dario pittorico.  Napoli 1733) verfiel auf Domenico Beccafumi, und 
Christ (Monogrammen-Auslegilng S. 113 u. 124) ist derjenige, welcher 
den späteren Schriftstellern die meisten Hypothesen lieferte. Er sagt 
S. 113, dass man das B mit dem Querstriche gewöhnlich auf „Bartho- 
lomaeum Tutianum" deute, was ihm aber noch unklar sei. Daher 
äussert er auch die Vermuthung, dass das Monogramm sich auf Jakob 
Binck beziehen könnte. Auf S. 124 bringt er dieselben Künstler in 
Vorschlag, sowie 0rlandi's Beccafumi, und den Hans Burgkmair, wel- 
cher aber nur durch die unrichtige Deutung eines kleinen gothischenb 
mit Querstrich durch den oberen Schenkel in Rede kam. Es handelt 
sich zunächst immer nur um das in Holz geschnittene Bildniss des 
Freiherrn Hans von Schwarzenberg, welches mit dem zweiten Zeichen 
versehen ist, und nach Bartsch u. A. für Boldrinfs Werk gilt. Christ 
weiss nichts von diesem Künstler, er deutet aber das gegebene Zeichen 
auch nicht auf H. Burgkmair, sondern halt mehr an seinem apokryphen 
B. Tuziano und an J. Binck fest. Heller scheint aber im Leben 
A. Dürerbs II. S. 827 vornehmlich durch ihn verleitet worden zu seyn, 
für I-I. Burgkmair Parthci zu nehmen, und diesem Meister das Bild- 
niss des Baron von Schwarzenberg nach A. Dürer entschieden zuzu- 
schreiben, da er an Boldrini nicht glauben wollte, obgleich sich Bartsch, 
Brulliot u. A. dafür aussprachen. 
Nicolo Boldrini kann das Bildniss Schwarzenbergk auch nicht 
wohl in Holz geschnitten haben. Seine Blüthezeit fallt um 1566, das 
erwähnte Portrait muss aber schon vor dem 16. Februar 1531 fertig 
gewesen seyn, da es in Schwarzenbergs Ofücia M. T. Ciceronis vor- 
kommt. Das Werk erschien bei Heinrich Steyner in Augsburg, und 
zwar unter obigem Datum. Es kann aber auch nicht von Joseph Ni- 
colaus Vicentino herrühren, da dieser Meister dem Nicolaus Boldrini 
nur um circa 20 Jahre vorhergeht, und überdiess in einem ganz ande- 
ren Style gearbeitet hat. Bartolomeo Tuziano fällt ganz weg, da er 
wohl sicher nie gelebt hat. Von Domenico Beccafumi kann auch 
keine Rede seyn, da sich nicht Ein Holzschnitt von seiner Hand nach- 
weisen lässt. Es ist daher die Reihe an Hans Burgkmair, da sich in 
Schwarzenbergk Cicero Blätter nach seinen Zeichnungen, oder sogar 
Originalformschnitte finden sollen. Burgkmair war jedenfalls ein sehr 
tüchtiger Meister, der Schnitt des Bildnisses von Sohwarzcnberg hat 
aber für denselben beim Vergleiche mit den historischen Blättern wie- 
der so viel Fremdartiges, dass man auf eine andere, und zwar eben- 
falls meisterhafte Hand schliessen muss. Auch starb Burgkmair im 
Jahre 1531 in einem Alter von- 39 Jahren. Er scheint aber schon 
ein Jahr früher nicht mehr gearbeitet zu haben, da sich kein Blatt 
von 1530 für ihn nachweisen lasst. Nach unserer Ansicht dürfte 
Jakob Binck den meisten Anspruch auf den Schnitt des Bildnisses 
von Schwarzenberg haben, da er auch andere Blätter mit den Ver- 
salien 1 B zeichnete. Seine Holzschnitte sind meisterhaft, aber nur zu 
wenig gekannt, da der Künstler sie gewöhnlich anonym ausgehen liess. 
Binck lebte 1530 noch in Deutschland, WahrSCheinliCh in Nürnberg. 
Es ist viel wahrscheinlicher, dass H. Steyner die Zeichnung Dürer's
        

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