Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - CF
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1545733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1554217
1868. 
803 
ziert ein Werk des Predigers Gailer von Kaisersperg, „die geistliche 
Spinnerin" betitelt, welche 1510 zu Augsburg erschien. Bartsch VII. 
p. 210 N0. 28 zählt das Blatt im Artikel des Hans Burgkmair auf, 
wagt es aber nicht, diesen Holzschnitt entschieden dem letzten zuzu- 
schreiben, da das Monogramm für ihn ungewöhnlich ist. H. Burgk- 
mair war zur Zeit des Druckes der Spinnerin von Gailer nicht in 
Augsburg, sondern in Nürnberg, wo er von 1505-1512 an den be- 
kannten grossen Holzschnittwerken A. Dürer's arbeitete. Wir wagen 
es aber nicht, den Bruno Holbein für ihn eintreten zu lassen, da das 
Monogramm von dem ersten Zeichen abweicht. Es ist überdies auch 
noch nicht erwiesen, dass die Zeichnung oder der Holzschnitt in Augs- 
burg gefertiget wurde. Gailer von Kaisersperg lebte in Strassbnrg, 
wo Johannes Grüninger mehrere seiner Werke mit Illustrationen in 
die Welt ausgehen liess. In Strassburg lebte damals Hans Baldung 
Grün, und da sich von diesem Meister auch ein paar Holzschnitte mit 
dem Monogramme HB finden, so könnte das auf der Platte der Spin- 
nerin vorkommende Zeichen auch seinen Namen andeuten. Es wurde 
auf derselben regelrecht eingeschnitten, und musste daher beim Drucke 
verkehrt kommen. 
1868. Balthasar Jenichen, Kupferstecher, Radirer, Formschneider 
und Kunstdrucker von Nürnberg, war um 1560 
B1 H H B-I bis 1590 thatig. Er hinterliess viele Blätter, 
' l 7 welche aber im Werthe so ungleich sind, dass 
ßäI-g-Ii man zweifeln möchte, 0b alle gegebenen Mono- 
I Q2": gramme dem Jenichen wirklich angehören. Aelter 
scheinen die beiden schönen Blätter mit St. Elisabeth und St. Radiana 
zu seyn, und sie weichen auch in der Behandlungsweise wesentlich 
von den anderen ab. Sehr fein gestochen ist die hl. Elisabeth mit 
dem Bettler, und die ganze Figur von so edler Bewegung, dass man 
wenigstens eine zarte Federzeichnung eines Vorgängers des B. Jeni- 
chen vermuthen muss. Das Blatt ist mit dem zweiten Zeichen ver- 
sehen. Fein und schön gestochen ist auch die hl. Radiana, von Wöl- 
fen angefallen. Auch dieser Darstellung muss eine ältere Federzeich- 
nung zu Grunde liegen, und wenn beide Stiche wirklich von Jenichen 
herrühren, so hat er wenigstens in dieser Art nichts mehr geleistet, 
was damit den Vergleich aushielte. Auffallend ist auch das Blatt mit 
Christus am Kreuze zwischen den Mördern nach Jost Amman, welches 
Bartsch N0. 2 beschreibt. Es kommt den besten Bildnissen gleich, 
welche nach dem Monogramme dem Jenichen zugeschrieben werden. 
Darunter sind die beiden grösseren Portraite von Dr. M. Luther und 
Melanchton hinter ihren Arbeitstischen so schön gearbeitet, dass man 
im Vergleiche mit anderän BildEissIen, namentlich mit solchen, welghe 
mit B. I. bezeichnet sin , an  enichcn kaum denken kann. E en 
so schon und sicher gestochen ist auch die Büste des Theophrastus 
Paracelsus mit dem vierten Monogramme. Mit den Portraiten der 
beiden grossen Reformatoren zu vergleichen, sind ferner die Bildnisse 
von Johannes Bugenhagen, Joachim Camerarius, Caspar Gruclger und 
etlicher anderer Männer. Auch in der Aetzung bemerkt man lin- 
gleichheit. S0 weicht das Bildniss des Mathias Flacius, welches nicht 
mit dem Stichel übergangen ist, von anderen Blättern des denichen 
merklich ab. Man möchte überhaupt glauben, dass die meisten der 
mit obigen Zeichen versehenen Blätter nichä: von Jänichen hheräüh- 
1'811 esetzt aillCh Wßllll 3,11 8110111111811 wer 811 Wl , 3.55 er lm 81'- 
lnnfe gier Zeit zum handwerkgmässigen Arbeiter herabsank. Die mei- 
sten der geringeren Blätter sind mit den Initialen B. I. versehen,
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.