Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - CF
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1545733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1553747
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BBA. 
1720. 
Tapeten mit obigem Schilde stellen eilf Scenen aus dem Leben des 
hl. Paulus dar, und sieben andere geben die Planeten in Abbildung. 
Die Geschichte des Apostels Paulus erinnert im Style an Martin 
Heemskerk, und somit ist der Schild mit b b wohl das Brüsseler Fa- 
brikzeichen. Für Heemskerk könnte ein zweites Monogramm sprechen, 
in welchem sich ein h zeigt, aber nur muthmaasslich ein M. Die ge- 
nannten Tapeten wurden nicht in München gefertiget, sondern kamen 
aus den Niederlanden. Die Zeit der Entstehung fallt zwischen 1570 
bis 1600. Zehn Stücke aus der Geschichte des hl. Paulus besass der 
Herzog Ferdinand, nach dessen Tod (1609) sie der Churfürst Maximi- 
lian kaufte. Zu 463 Brahanter Ellen berechnet, wurde die Elle mit 
272 Gulden bezahlt. Gegenwärtig werden die alten Tapeten aus der 
Zeit dieses Ohurfürsten in den k. Schlössern aufbewahrt. Zu Anfang 
unseres Jahrhunderts waren noch 56 Stücke wohl erhalten. Brüsseler 
Fabrikate bezahlte der Churfürst im Durchschnitt mit 56  60 Gulden 
die Elle. In seiner eigenen Manufaktur kam ihm die Elle ungefähr 
auf 50 Gulden zu stehen. 
ÜZÜ. Baocio Bandinelli, Bildhauer von Florenz, ist derjenige 
Meister, welcher hier den Stoff zur Erörterung liefert, 
BB aber wohl nur in Folge einer Satyre, welche seine Zeit- 
genossen über ihn ergossen. Er war bekannt als an- 
massender, sich sehr überschätzender Künstler, und daher zahlte er 
unter seinen Kunstgenossen viele Feinde. Tizian zeichnete ihn be- 
kanntlich als grossen Affen in der Stellung des Lokoon, wie er mit 
zwei jungen Aiiien von der Schlange umwickelt wird. Auch sein Bild- 
niss scheint nur zum Spotte gestochen worden zu seyn, indem sich 
durch die Oelihung des Unterkleides in der Bauchgegend ein hass- 
licher, ja eckelhafter Auswuchs zeigt. Nach der gewöhnlichen Angabe 
starb Bandinelli, auch Brandini genannt, im Jahre 1559, in einem Al- 
ter von 72 Jahren. 
,Das Blatt mit obiger Bezeichnung stellt den Baccio Bandinelli in 
seinem Atelier vor, Kniestück nach links, aber der Kopf en face. Er 
fasst eine von dem Boden aufstehende Statuette am Kopfe, und bedeckt 
diesen durch seine bauernmässige I-Iand, während er mit den Fingern 
der andern Hand die Proportionen des Körpers zu messen scheint. 
Links oben in der Fensteröüinung bemerkt man eine stehende Figur 
zwischen zwei Rumpfen, und rechts unten stehen zwei andere Figuren 
auf Basen, welche aber aus Brettern gefertiget, oder gemalt zu seyn 
scheinen. Das am Bauche halb offene Gewand des Künstlers lässt 
einen monströsen Auswuchs hervortreten. Links unten in der Ecke 
stehen die Buchstaben BBAF, welche nicht „Baccio liandinelli Fecit", 
sondern „B. Bandinelli Artista Fiorenlino" bedeuten dürften, da der 
Stich nicht von Bandinelli, sondern von Nicolo de la Casa zu seyu 
scheint. H. 10 Z. 7 L. Br. 8 Z. Brulliot II. No. 226a spricht von 
demselben Bildnisse, bemerkt aber, dass die Buchstaben BBAF an 
der Basis der Statuette stehen. In diesem Falle hätten wir ein zwei- 
tes Bildniss des Bandinelli, wenn nicht eher von dem Stiche mit 
dem Namen des Nicolo de la Casa. die Rede ist. In diesem 
Blattc ist das Kniestück des Bildhauers nach rechts gerichtet, und 
das Fenster, auf dessen Brüstung (118 erwähnten plastischen Werke 
stehen, ist rechts oben. Links von der Figur bemerkt man eine be- 
kleidete und eine nackte Figur auf Basen stehend, und am Plint-hus 
der Statuette, welche Bandinelli halt, liest man: N. D. LA. CASA. 
Unter den beiden links angebrachten Standbildern ist die Adresse: 
ANT. LAFRERI R., aber so, dass durch eine über A angebrachte
        

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