Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - CF
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1545733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1553547
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BAL. 
1675. 
oben an der Mauer ist ein Wappenschild mit Einhorn, und unten steht 
auf einem Täfelchen das Monogramm H B. H. 12 Z. 9 L. Br. 7 Z. 
4 L.  Bartsch VIII. p. 470 N0. 15 schreibt dieses Blatt dem Hans 
Brosamer zu, es ist aber sicher von Baldung, so dass wir jetzt auch 
ein Monogramnl für ihn haben, welches von jenem des H. B. Grün 
abweicht. 
1675. Baldassaro Peruzzä, bMaler unrä Architeäct, wurdedi48l zu 
Accafano im e iete von iena ge oren, un nannte 
  sich Jdaher auch Baltasar Sienensis. Wir haben über 
diesen berühmten Meister im Künstler-Lexicon XI. S. 136 ausführlich 
gehandelt, und auf Seine Werke hingewiesen. Hier handelt es sich zu- 
nächst um einen Holzschnitt in Helldunkel von zwei Platten, welchen 
Bartsch XII. p. 133 N0. 12 beschreibt. Er erkennt in der Darstellung 
den Neid, welcher auf Befehl des Apollo von I-Ierkules aus dem Tem- 
pel der Musen gejagt wird. Allein Vasari dürfte hier der Deutung 
näher gekommen seyu, indem er die Vertreibung des Geizes vom Par- 
nass erkennt. Die iliehende Figur hat kein Emblem, welches auf den 
Neid deutet, und der angebliche Tempel im Grunde ist eher ein 
Triumphbogen corinthischer Ordnung, als ein Tempel der Musen. In 
der Ferne zeigt sich das Frontispice eines Tempels des Neptun. Apollo, 
von acht Musen umgeben und mit Minerva zu seiner Rechten, befiehlt 
dem Herkules, den Geiz von dannen zu jagen. Dieser. als Weib, 
flieht mit Vasen und anderen Geräthschaften. Links unten steht: 
BAL. SEN., rechts PERVGO. H. 11 Z. 2 L. Br. 8 Z. 6 L. 
Vasari sagt, dass B. Pcruzzi dieses Blatt selbst geschnitten habe, 
allein Bartsch u. A. erkennen darin eines der schönsten Werke des Hugo 
da Carpi, auf welchen auch das Wort PER VGO, d. i. PER VGO, passt. 
Man kennt indessen zwei verschiedene Abdrücke, welche vielleicht 
nicht von einer und derselben Platte kommen, so dass zuletzt doch 
Peruzzi selbst einen Schnitt dieser Vorstellung unternommen haben 
könnte, und dem Hugo da Carpi nur die zweite Platte bliebe. Die 
sogenannten sehr seltenen ersten Abdrücke sind in der Zeichnung 
strenger durchgeführt, indem Schrafiirungen angewendet sind, welche 
auch die Halbtinten mehr decken, als gewöhnlich. Es kommen nur 
selten Lichtstellen vor, und diese sind durch sehr zarte Strichlagen 
bewirkt. In den zweiten Abdrücken sind die Schattenpartien nicht so 
eng belegt, sondern heller, und die Schraffirungen ohne Halbtinten. 
Man bemerkt deren an dem beleuchteten Theile des Körpers des Her- 
kules, und an dem linken Arme der an den Baumstamm sich lehnen- 
den Nymphe nicht mehr. Die zweite Platte ist durch eine neue er- 
setzt, welche aber in den Strichlagen steifer ist, und schwerfällige 
Massen zeigt. Auf genaue Zeichnung und Abstufung sieht der Maler 
mehr, als der Formschneider von Profession, und somit könnte Peruzzi 
die Hauptplatte selbst geschnitten haben. Um aber hierin zum siche- 
ren Resultate zu gelangen, müsste noch eine genauere Untersuchung 
gepflogen werden. 
Nach A. Zanetti (Cabinet Cicognara p. 10) schreibt man ihm die 
Kupfer eines Buches über die römischen Alterthümer und eines Com- 
mentars zum Vitruvius zu. Erstere sind wohl jene im IV. u. V. Buche 
des architektonischen Werkes von S. Serlio, welche über die Denk- 
mäler Roms handeln. Zani, Euc. met. IX. p. 125, beschreibt eine 
höchst seltene Radirnng mit den Jüngern in Emaus. 
B. Peruzzi soll nach einigen aus Volterra stammen, in diesem 
Falle kann er sich aber nicht Sieneser nennen. Er starb in Rom 1536.
        

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