Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - CF
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1545733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1553061
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1563. 
dition nannte man ihn den alten Beatricius, so dass ein jüngerer 
Meister dieses Namens gelebt haben müsste. Allein die ganze Hypothese 
beruht vielleicht nur auf der Verwechslung des Nicolaus Beatrizet mit 
dem unbekannten Meister mit dem Würfel. Der alte Beatricius wurde 
aber lange festgehalten, und um auch eine Heimath für ihn zu finden, 
wurden vornemlich jene Blätter in's Auge gefasst, welche mit B V. be- 
zeichnet sind. Diese Kupferstiche sind so sehr im Style des Meisters 
mit dem Würfel behandelt, dass man nur seine Hand vermuthen kann, 
und daher boten sie den Anhaltspunkt zu einer weiteren Hypothese, 
welche auf die Deutung des Buchstaben Vausging. Man construirte nun 
einen Beatricius Venetianus, ohne in den Künstlerregistern einen Meister 
dieses Namens nachweisen zu können. Orlandi, und nach ihm Zani 
machen auf einen Giovanni Francesco Zabello aus Bergamo aufmerksam, 
welcher um 1546 Muster für Ebenisten zu eingelegten Arbeiten zeich- 
nete, und auch Bildschnitzer war, wie seine Chorstühle im Dome zu 
Bergamo beweisen. Das Wort Zabello sollte die Bedeutung des Würfels 
haben, und der Buchstabe B auf demselben auf die Stadt Bergamo sich 
beziehen, so dass der alte Beatricius Venetianus in dem Zabellus Berga- 
mensis einen Nebenbuhler fand. Diese Erklärung fand indessen wenig 
Eingang, zum Curiosum gestaltete sie aber Bryan, welcher in seinem 
"Biographical and critical dictionary" den Zabello des Orlandi als Kupfer- 
stecher aufnahm, und das B auf dem Würfel dem deutschen Meister 
Barthel Beham vindicirte, so dass für den Ebenisten aus Bergamo nichts 
übrig blieb. Auch andere wollten den Würfel zum Rebus des Familien- 
Namens unsers Meisters machen, und sie nannten ihn desswegen Dadi 
oder Dado. Allein die Meister dieses Namens waren Florentiner, und. 
Bernardo Dadi (Daddi), der einzige, welcher hier einstehen müsste, lebte 
als Schüler des Spinello Aretino um 1350, also um mehr als hundert 
Jahre früher. Wir könnten indessen einen Meister Dado der Zeit un- 
sers Kupferstechers näher bringen, aber ohne Erfolg auf die Lösung 
des Zeichens. Im k. Museum zu Madrid ist nämlich ein Gemälde, 
welches den hl. Hieronymus in Meditation vorstellt, mit der Bezeich- 
nung: Mdad 1521. Pedro de Madrazo beschreibt es im Catalogo del 
Real Museo von 1845 unter N0. 977, erkennt aber darin ein Werk der 
alt-niederländischen Schule. Wir sind daher keineswegs bemüssiget, 
einen Maler Dado oder Maestro Dado herauszufinden. 
Bartsch und die Mehrzahl der neueren italienischen Schriftsteller 
nehmen also mit mehr Recht den Würfel wie er ist, und sie nennen 
den Stecher "Main-e au de, oder Maestro del dado." Die Deutschen 
sind von jeher mit geringer Ausnahme dem Meister mit dem Würfel 
treu geblieben, ohne auf einen Familiennamen Dado oder Zabello ein- 
zugehen. Auf den alten Beatricius nahm man mehr Rücksicht, aber 
nur weil ihn einige als Vorgänger des N. Beatrizet ansahen. 
Die Blätter mit dem Würfel sind nach den beigefügteuJahi-zahlen 
um 1532-1533 entstanden, und daher nahm man an, dass der Stecher 
um 1510 geboren sei. Der Stichweise nach scheint er einer der vor- 
züglichsten Schüler des Marc Anton gewesen zu seyn. Doch sind nicht 
alle Blätter von gleicher Güte, und manchmal im Style abweichend. 
Auch die Figuren sind gewöhnlich etwasschwerfallig und eckig, aber 
individuell in den Charakteren. Die Verzeichnisse der Blätter, welche 
vor Bartsch erschienen, sind sehr unverlässig, da jene des N. Beatrizet 
und des G. Bonasone damit vermengt werden. Auch wurde ihm eine 
grosse Anzahl von anonymen Stichen beigelegt, welche in ihrer iWIittel- 
mässigkeit keinen Vergleich aushalten. Der Styl des Meisters B mit 
dem Würfel ist so eigenthümlich, dass man selbst von den Erzeugnissen 
jener Künstler, welche ihm am nächsten kommen, nicht beirrt wird.
        

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