Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - CF
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1545733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1552710
AVV. 
1470. 
653 
der Ulmer Schule, sondern überhaupt als eines der herrlichsten Werke 
altdeutscher Kunst zu betrachten ist. Der Altar kann zweimal auf- 
geschlagen werden, und dann zeigt sich in der Mitte Maria mit dem 
Kinde auf der Mondsichel, wie sie von Engeln gekrönt wird. Zu den 
Seiten stehen je zwei Heilige, links St. Benedikt und Johannes der 
Täufer, rechts Johannes Evangelista und St. Scholastica, alle in reichen 
gothischen Nischen mit Tabernakeln. Die Seitenflügel enthalten auf 
der inneren Seite in vergoldetem Relief die Geburt Christi und die 
Anbetung der Könige. An dem Oberbein des Mohrenkönigs bemerkt 
man das gegebene Zeichen mit dem Beisatze: DIEB. ZVO LIEB 100 
(Meilen). Der obere Theil des Schreins ist mit reich verzierten Taber- 
nakeln versehen, in deren Mitte der auferstandene Heiland von zwei 
Engeln umgeben, und zu den Seiten Maria und Johannes sich zeigen. 
Am Fusse des Altares sieht man die lebensgrossen Brustbilder des 
Heilandes und der Apostel in Nischen. Die Figuren dieses Altares 
sind von ausgezeichnet grossartiger Haltung, und die Gewänder, weit 
und massig, ganz der Behandlungsweise der letzten Hälfte des 15.'Jahr- 
hunderts entsprechend. Nach dem ersten Zuschlagen des Altares zeigen 
sich 16 auf Goldgrund bemalte Tafeln mit Darstellungen aus dem Leben 
des Täufers, welche zum Theil an Martin Schön erinnern , namentlich 
die vier untersten. Die anderen 'l'afeln lassen drei verschiedene Hände 
von geringeren Malern der Schule erkennen. Die vier oberen Bilder 
des Mittelraumes zeigen einen etwas bauschigen Bruch der Gewänder, 
was bei den vier Gemälden rechts noch mehr auffällt. Die vier Bilder 
des linken Flügels zeichnen sich durch einen weit tieferen Ton der 
Carnation aus, welcher auch den schönen landschaftlichen Hintergründen 
einen besonderen Reiz verleiht. Dass diese Gemälde von Ulmer Künst- 
lern gefertiget werden, bezeugt nicht nur die ganze Darstellung und 
Behandlungsweise in ihren etwas magern Formen aus der zweiten Hälfte 
des 15. Jahrhunderts, sondern auch das Wappen von Ulm an der Schüs- 
sel, auf welcher der Kopf des Taufers liegt. Auf den ausseren Flügeln 
sieht man in vier Feldern ohne Goldgrund eben so viele Darstellungen 
aus der Leidensgeschichte. Die Altarstaifel enthält das Lamm Gottes 
und Brustbilder von Evangelisten und Heiligen, und auch die Rück- 
wand ist mit grösseren und kleineren Heiligen bemalt. Alle diese unter- 
geordneten Bilder werden dem Bartholoma Zeitblom zugeschrieben. Die 
Malereien des Altares berühren uns aber hier weniger, als die Schnitz- 
werke, da das gegebene Zeichen den Bildhauer andeutet. Er scheint 
sich selbst oben am Flügel links in der den Rosenkranz haltenden, 
und auf ein Kissen gelehnten Figur dargestellt zu haben. Man wollte 
darin den Georg Sürlin erkennen, wogegen ausser dem Monogramme 
besonders auch die Behandlung der Schnitzarbeit streitet. Zerlegt man 
das Zeichen, so könnte es A. v. V., oder A. von Ulm bedeuten. In 
dieser Stadt lebte im 15. Jahrhundert eine Malerfamilie Acker. Hans 
Acker wurde 1441 Bürger. Sein Bruder Peter kommt 1430 und 1442 
in den Bürgerbüchern vor, und Jakob Acker malte 1482 die Flügel- 
bilder des Altarsehreines zu Risstissen. Ein A. Acker ist nicht be- 
kannt, aber dennoch könnte das Monogramm Acker von Vlm bedeuten. 
Vielleicht findet man ausser den drei genannten Meistern noch den 
Namen eines vierten. Die Angabe Weyermanms, dass einer der Ulmer 
Stecker den Altar gefertiget, und dass sich daran die Jahrzahlen 1494 
und 1495 befanden, ist völlig unbegründet. Von dem oben erwähnten 
Georg Sürlin sind höchst wahrscheinlich nur die Ghorstühle der Kirche, 
da sie mit seinem Namen, und der Jahrzahl 1493 bezeichnet sind. In 
der Inschrift von 1496 auf der Rückwand des mittleren Levitenstuhles 
ist ein Lob auf Sürlin, worin aber auch von Malereien die Rede ist.
        

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