Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - CF
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1545733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1551475
12371 
123er 
529 
1237. Anton Sallaert, oder Anna Maria Schurman? Mit diesem 
Zeichen konnten wir nicht in's Klare kommen, 
da uns der Holzschnitt, auf welchem es vor- 
kommt, nicht zur Einsicht vorlag. Brulliot, 
1 App. I. N0. 101, gibt nach einer Mittheilung 
aziv zweiter Hand das erste Monogramm, in einer 
uns zustehenden Notiz des Hrn. Professor Massmann ist es aber wie 
das zweite geformt. 
Der Holzschnitt mit diesem Zeichen enthält eine Allegorie auf die 
Vergänglichkeit weiblicher Schönheit, wenn nicht auf den Sündenfall 
der Eva. Das Blatt zeigt die halbe Figur eines Weibes mit einem 
Todtenschädel. Die Brust ist offen, und um den Hals ringelt sich die 
Schlange. In der Rechten halt die Gestalt einen Strauss von Wasser- 
pflanzen mit langen Dornen, während sie die andere Hand auf die 
Brust legt. Am Halse bemerkt man ein Medaillen, und ein zweites am 
Mieder. Das Bild erscheint in einem Runde, die Einfassung ist aber 
viereckig und diagonal schraffirt. Durchmesser der Rundung 7Z. 4L., 
H. der Einfassung 7 Z. 10 L. Br. 7 Z. 7 L. 
Diese Darstellung ist in einer eigenthümlichen Weise behandelt, 
indem alle Lichter ausgeschnitten sind. Der Künstler machte damit 
sicher den ersten Versuch in einer ihm fremden Technik. Wir ver- 
muthen darunter den Anton Sallaert, welcher No. 1239 eine ausführ- 
liche Stelle findet. Die Zeichnung verräth den Einfluss der Schule des 
P. P. Rubens, und Sallaert rühmte sich der Freundschaft desselben. 
Er ist durch viele Holzschnitte nach seinen Zeichnungen bekannt, 
welche in der Composition alle den Nachahmer des grossen Rubens 
verrathen. Zu jener Zeit, als Sallaert die Allegorie auf den Sünden- 
fall in Holz geschnitten haben dürfte, dachte er vielleicht an die Illu- 
stration der Gcbetbücher des Jodocus Andries, und es liegt sehr nahe, 
dass er selbst mit dem Formschnitte sich vertraut zu machen suchte, 
da die Zeichnungen durch denselben veröffentlichet wurden. Das ge- 
nannte Blatt soll in vielen Dingen den Charakter einer Radirung haben, 
und eine ähnliche Manier, nur vollkommener durchgebildet, bemerkt 
man in anderen Holzschnitten der Gebetbücher und des Catechismus 
von Andries, über welche wir an der betreffenden Stelle handeln. Das 
Blatt mit dem Tode dürfte durch das dem Monogramme beigefügte 
Messer den schlagenden Beweis liefern, dass Sallaert in Holz ge- 
schnitten habe, was bekanntlich verneint wird. 
Ein uns befreundeter, sehr erfahrner Kunstfreund will indessen 
das Blatt der durch No. 985 bekannten Künstlerin Anna Maria Schur- 
man zuschreiben, da sie nicht allein malte, sondern auch in Kupfer 
radirte, in Holz und Elfenbein schnitzte dzc. Die religiöse Richtung 
der Labadisten führte sie zur Verachtung alles menschlichen Wissens 
und Ruhmes. Aus ihrer mystischen Anschauungsweise könnte allerdings 
ein Bild dieser Art hervorgegangen seyn. Man will ihr auch ein ähn- 
liches Monogramm, nur einfacher gestaltet, zuschreiben, wobei aber 
immer wieder der Umstand in Berücksichtigung kommt, dass positive 
Anhaltspunkte zur Bestimmung ihrer artistischen Leistungen fehlen. 
1238- Alexander Simon, Maler von Stuttgart, machte seine Studien 
in Italien, und fand dann in Weimar einen seinem reichen 
Talente angemessenen Wirkungskreis. Da wurde der neue 
Ä Schlossflügel mit Malereien verziert, und derselbe gleich- 
I sam in eine Gallerie von Fresco- und Temperabildern um- 
geschaffen. B. Neher, und der Landschafter Preller schmückten diese 
Räume mit ihren schönsten Compositionen, und auch A. Simon hat
        

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