Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - CF
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1545733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1551059
1109. 
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der Stiche von. und nach Meistern der Schule von Fontainebleau be- 
ginnt. Es stellt zwei stehende Frauen im römischen Costüme vor, die 
eine in Profil mit der Hand an der Brust, die andere en face mit auf 
der Brust gekreuzten Armen, und einem Schleier über dem Kopfe. 
H. 7 Z. Br. 4 Z. 3 L. Dieses Blatt ist breit und geistreich radirt, 
wohl eines Malers vollkommen würdig, aber ohne Zeichen und Namen. 
Es wurde von jeher dem Primaticcio zugeschrieben, aber ohne einen 
anderen Beweis dafür zu haben, als die Tradition, welche jedenfalls 
Berücksichtigung verdient, obgleich sie eine gegentheilige Meinung nicht 
ausschliessen kann. Wenn aber je Blätter von Primaticcio vorhanden 
sind, so müssen jene mit obigem Zeichen für den Künstler in Anspruch 
genommen werden, obgleich sie Bartsch XVI. p. 509 den Erzeugnissen 
der römischen Schule anreiht. Andere Kenner chalcographischer Pro- 
dukte finden darin aus inneren und äusseren Gründen den Geist und 
die Hand des Primaticcio, welcher als Maler der Nadel zur Erreichung 
seines Zweckes sich bediente, ohne auf eine regelmässige, und stets 
gleiche Behandlung zu sehen. Ein ähnliches Monogramm, gewöhnlich 
mit vorgesetztem F, und der Abbreviatur BOL. lN.„ kommt auch auf 
Stichen nach Gemälden und Zeichnungen des Künstlers vor. Nur das 
erste Zeichen der zweiten Reihe wird bei Brulliot I. No. 672 mit Un- 
recht auf Primaticcio bezogen. Es stellt ein junges Weib vor, welches 
auf dem Steine in der Nähe eines Baumes sitzt. Der linke Arm ist 
ausgestreckt, da es nach einem am Baume hängenden Apfel deutet. 
Im Grunde breitet sich Landschaft aus, und links unten bemerkt man 
das Zeichen. H. 5 Z. 4 L. Br. 3 Z. H L. Dieses Blatt ist von Pietro 
Aquila radirt und gestochen, fast um ein Jahrhundert später, als Pri- 
maticcio lebte. 
Folgende Blätter beanspruchen wir für Primaticcio, doch nur in 
den Aezdrücken. Die Vollendung mit dem Stichel erfolgte durch zweite 
Hand, da wir die Führung desselben dem Künstler nicht zumuthcn 
können. Die Zierwerke dürften ihm zunächst angehören. Bartsch be- 
schreibt die ersten fünf Blätter, gibt aber von dem Monogrammisten 
nicht die geringste Nachricht. Heller, Handbuch für Kupferstichsammler 
2te Ausgabe S. 858, nennt ihn einen um 1550 in Italien lebenden 
Knpferstecher, welcher nach Rafael gearbeitet habe, wahrscheinlich weil 
der 15. Band des Peintre graveur über die Stecher der Schule des 
Rafael und Marc Anton handelt. Mit dem beigefügten Monogramme 
ist aber Heller in vollem Irrthume, da es nicht das von Bartsch gege- 
bene, sondern jenes des Pietro Aquila ist. Wenn" man einwenden wollte, 
dass die unten beschriebenen Blätter nicht in der Weise der Schule 
von Fontainebleau behandelt sind, so ist zu entgegnen, dass Primaticcio 
seine Künstlerbildung in Italien erlangt habe, und somit es keine Folge 
sei, dass er gerade in jener Weise radiren musste, welche den Meistern 
der Schule von Fontainebleau eigen ist. Letztere dürften aber die Ver- 
anlassung gewesen seyn, dass Primaticcio noch in seiner späteren Zeit 
die Nadel zur Hand nahm, womit er gleichsam spielend seine Ideen 
festhielt. Wir wollen indessen zugeben, dass ihn dabei eine geübtere 
Hand unterstützte, welche er aber selbst wieder förderte. 
1) Ein alter Triton mit der Muschel, auf welcher er bläst. Ein 
junger Triton trägt das Ruder. Rechts unten ist das Zeichen, und links 
die Jahrzahl 1555. H. 11 Z. 6L. Br. 5Z. 5L.  Dieses von Bartsch 
No. 1 erwähnte Blatt ist gestochen, und kann daher von Primaticcio 
nicht selbst herrühren, da dieser sich nur der Nadel bediente. Das 
Monogramm wurde auch erst später eingestochen, da sich alte Abdrücke 
ohne dasselbe finden, Die Form des Zeichens ist die des ersten der 
oben gegebenen Mouogrammen. 368
        

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