Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - CF
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1545733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1550838
ANTONELLVS. 
1071. 
465 
Antonello bald nach dem Tode des Meisters Brügge verlassen, und in 
Venedig sich niedergelassen habe. Nach VasarPs Behauptung hatte 
Antonello viele Jahre zu Rom im Zeichnen sich geübt, und dann in 
Palermo bereits einen ausgebreiteten Ruf genossen, als er auf einer 
Reise in Neapel das erste Oelbild des Jan van Eyck sah. Dieses Ge- 
mälde besass nach der Angabe VasarPs König Alfonso, und es soll 
ihn bewogen haben, nach Brügge zu reisen, um sich die Gunst des 
Jan van Eyck zu erwerben. König Alfons gelangte 1442 zum unge- 
störten Besitz seines Reiches, und wenn sich Antonello bald darauf, 
oder noch in jenem Jahre nach Brügge begeben hätte, so konnte er 
den Jan van Eyck doch nicht mehr am Leben finden. Die Angabe 
nämlich, dass letzterer 1445 gestorben, ist durch ein von H. Stoop im 
Archive der Kirche StDonat zu Brügge unlängst entdecktes Dokument 
entkräftet, da nach diesem Aktenstücke van Eyck im Juni 1440 starb. 
Und wenn nun Antonello erst im Verlaufe der Regierungszeit des Königs 
Alfonso, selbst nur um drei Jahre später nach Flandern gegangen, und 
Jan van Eyck 1445 gestorben wäre, so konnte er in Brügge ebenfalls 
nur den Grabhügel desselben aufsuchen. Noch grösser wird dQZweifel 
an der Richtigkeit der Erzählung VasarPs, wenn man bedenkt, dass dieser 
Schriftsteller dem Antonello nur ein Alter von 49 Jahren gibt, und ihn 
dabei zu einer Zeit sterben lässt, welche es gerade unmöglich macht, 
dass der Künstler je der Oelmalerei wegen Flandern besucht habe. Nach 
Vasari waren seine letzten Aufträge jene für die Signoria in Venedig. 
Er sollte nämlich für den Dogenpalast einige Bilder malen, was erst 
nach 1487, vielleicht erst 1492 oder 1493 geschehen seyn konnte, da 
binnen dieser Zeit durchgreifende Reparaturen in dem Palaste vorge- 
nommen wurden. Vasari lässt nun den Künstler während der Arbeit 
als Mann von 49 Jahren sterben, und wenn man daher 1493 als das 
Todesjahr annimmt, so war Antonello vbeinl Tode des Jan van Eyck 
noch nicht einmal am Leben. Die Hypothese PuccinPs in den „Me- 
morie istorico-critiche di Antonello degli Antonii. Firenze1809," dass 
Vasari auf dem Grabsteine des Künstlers 49 statt 79 Jahre gelesen 
habe, scheint uns ohne Halt, und wohl nur darauf berechnet zu seyn, 
den Antonello in die Schule des Jan van Eyck zu bringen. Ist aber VasarPs 
Erzählung von einem Antonello da Messina als Schüler dieses Meisters, 
und dessen Grabschrift nicht rein erfunden, so muss es zwei Künstler 
des Namens Antonello, einen jüngeren und einen älteren gegeben haben. 
Vasari hätte dann den jüngeren zunächst im Sinne gehabt, und diesen 
ohne Rücksicht auf die Zeit statt des älteren mit Jan van Eyck in Be- 
rührung gebracht. Sein Meister Antonello, welcher gegen 1493 im 
49. Jahre starb, kann nicht jener Antonellus Messaneus seyn, welchem 
in Antwerpen und Berlin Bilder von 1445 zugeschrieben werden. Im 
Jahre 14-75 kann aber VasarPs Antonello da Messina gemalt haben, 
denn er muss um 1443 geboren seyn, wenn der genannte Schriftsteller 
nur halbe Glaubwürdigkeit verdient. _Seine Angaben sind auch sicher 
nicht ganz zu verwerfen, und man mag ihm sogar zugeben, dass ein 
Antonello aus Messina in Flandern bei J. van Eyck das Geheimniss 
der Oelmalerei erfahren habe. Nur ist diess nicht jener Künstler, 
welcher am Hofe des Königs Alfonso in Neapel zuerst ein Bild von 
van Eyck gesehen hatte, sondern wahrscheinlich Antonio Mamertini, 
welchem Vasari an betreffender Stelle den Beinamen Antonello da Mes- 
sina gibt, und den er im zweiten Theile mit einem jüngeren Antonello 
dkäntonio, oder degli Antonii da Messina verwechselt. Für zwei ver- 
schiedene Meister sprechen auch die Gemälde, welche dem einen und 
demselben Antonello da Messina zugeschrieben werden. Die einen ha- 
ben ein ziemlich strenges, alterthümliches Gepräge, lassen aber in der
        

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