Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - CF
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1545733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1550619
ANDR. 
443 
da Prato abgedruckt, da es als eine schlagende Urkunde gegen die 
frühere Ansicht über diesen Meister zu betrachten ist. Schon die Auf- 
schrift: Ad Andream Pralensem scultorem, gibt ihn als einen Künstler 
zu erkennen, welchen der Bischof Campana über Pyrgoteles setzt. Com- 
plimente dieser Art enthalten aber gerade nicht immer volle Wahrheit, 
Guacialoti ist aber jedenfalls einer der tüchtigsten Meister seiner Zeit. 
Den Dichter begeisterte namentlich der Medaillen auf Papst Pius 11., 
welcher in Silber und Gold ausgeprägt wurde. Molinet nennt den An- 
drea da Cremona als Verfertiger, es wäre aber wohl möglich, dass er 
nur aus Versehen diesen angeblichen, durch keine Inschrift beglaubigten 
Künstler statt des Andrea da Prato nannte. Er schreibt ihm auch 
nur einen einzigen Medaillon des Papstes Pins II._ zu, jenen mit dem 
Pelikan; Bonanni, Cicognara und die folgenden Schriftsteller bis auf 
Frieländer, lassen ihn aber sagen, Andrea Oremonese habe auch Me- 
daillons anderer Päpste verfertiget. Die wenigen Medaillons auf Pius II. 
sind nachweislich von Andreas da Prato, und es ist auch ausser Zweifel, 
dass dieser Künstler mit Andrea Guacialotus Eine Person sei. Er war 
nicht Miniaturplastiker von Profession, sondern ein Geistlicher, wie 
deren auch andere Künstler waren. Von seiner Hand beiindet sich in 
einem vatikanischen Codex die Abschrift einiger Reden des Bischofs 
Nicolaus Palmerius von Orta, welche in Dom. GeorgPs Vita Nicolai V. 
Ponl. Max. Romae 1742, abgedruckt sind. Am Ende, p. 163, schreibt 
er: Ego Andreas de Guamlotis de Prato. tunc temporis Scriptor in Registro 
Bullarum et Canonicus Pratensis ac etiam Plebanus et Retter ayol-i etc. 
Somit ist nun Andrea Guacialoti von Prato gesichert, und Andrea da 
Cremona muss weichen. Er verdankt es der Bemühung des Dr. Fried- 
länder in Berlin, welcher für ihn zehn Medaillons nachweiset, und deren 
sieben in Abbildungen gibt. Wir heben zunächst drei derselben hervor. 
Grosser Medaillen mit dem Bildnisse des Papstes Nicolaus V. 
Unter der Büste steht: TOMAS, des Papstes Vorname. Auf dem Revers 
ist derselbe Kircheufürst im Schiffe vorgestellt, nach der Aufschrift die 
ECLESIA. Das Todesjahr des Papstes heisst auf dem Revers MCCCCLIIII 
(25. März), nach unserer Zeitrechnung starb er aber den 25. März 1455. 
Unter den Wellen steht die erste der oben gegebenen Künstler-In- 
schriften. Statt A steht immer A Abb. bei Friedlitnder Taf. II. N0, 1, 
Medaillen mit dem Bildnisse des Nicolaus Palmerius, Bischofs von 
Orta bei Narni. Die äussere, erhabene Umschrift lautet: NVDVSEGRE- 
svs. SIC. nnnuso. die innere vertiefte: NICOLAVS. PALMERIVS. SICVLVS. 
EFSÜORTAT Die Rückseite stellt eine nackte stehende Figur mit der 
Sanduhr vor, zwischen der vertieften Schrift in drei Zeilen: VIX. AN 
LXV ioßnr A-n-iül  occcnx vnj Am Rande der unteren Hälfte ist 
der Name des Künstlers erhaben, wie oben in der zweiten Inschrift. 
Vertieft_ geschnitten ist die obere Inschrift des Revers: CONTVBERNALIS. 
B. F. Diese erhabenen und vertieften Inschriften bilden auf allen guten 
fertigen Exemplaren zusammen auf jeder Seite ein Ganzes. In den un- 
ciselirten Abgüssen fehlen die vertieften Inschriften." Ein Exemplar 
dieser Art hatte Cicognara (Smria delta scultura, fol. II. p. 399) vor 
sich, und da. demnach die Aufschrift „Nicolavs Palmerivs Eps. Ortan., 
und Contvbernalis B. F." fehlten, so kam er zu der gewagten Behaupt- 
ung, der Medaillon stelle gar nicht den Palmieri, sondern den Guaci- 
aloti vor, da dessen Name auf der Kehrseite in erhabenen Buchstaben 
steht. Die aussere Schrift der Bildnissseite: „Nudus Egressus Sie Re- 
dibo", bezog er auf Guacialoti, als wenn er arm aber geachtet aus der 
Welt gegangen wäre. Die vollendeten Exemplare machen den Palme- 
rius zum armen Bischofe, und geben keinen Grund, den Guacialoti aus 
der Liste der Künstler zu streichen, wie Venuti, Cicognara u. A. ge-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.