Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - CF
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1545733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1550182
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917. 
Murano halten. Diese Angabe des alten Christ ist etwas unklar, er 
scheint aber unter A M. den Andrea da Murano nicht verstanden zu 
haben, da er sagt, jener Meister habe schon sehr früh, im Jahre 1412 
in Metall zum Abdrucke gegraben. Er beruft sich dabei auf Samuel 
Palmer's History of Printing. London 1733, p. 391, und bringt zuletzt 
einen Kupferstich statt der Holzschnitte zur Sprache. Aus dem Ver- 
gleiche der Daten 1412 und 1505 scheint aber hervorzugehen, dass 
Christ den Andrea. da Murano nicht für den Fornisehneider gehalten 
habe, in späteren Werken findet man ihn aber als solchen bezeichnet, 
zuweilen mit Bezugnahme auf Christ's Monogrammenwerk. 
Das Wappen mit den Buchstaben A M zu den Seiten ist jenes 
der Stadt Amsterdam, und die Initialen selbst beziehen sich nur auf 
diese Stadt, auf keinen Künstler. Man findet es in den verzierten Ein- 
fassungen der alten Abdrücke jener Passions-Darstellungen, welche 
früher dem Walther van Assen, oder einem Werner van Ossanen zu- 
geschrieben wurden, und seit Bartseh P. gr. VII. p. 444 als Erzeng- 
nisse des Jakob Cornelisz van Oostsanen im Waterland gelten. Wir 
werden über diese seltenen Holzschnitte unter dem Monogramm IM VA 
handeln, und bemerken hier nur, dass der Maler Jakob Cornelisz wohl 
der Zeichner, aber nicht der Formschneider seyn kann. Seine Initialen 
liegen nicht im Monogramm, sondern jene des Formschneiders Jan van 
Meeren aus Amsterdam. Während einige der genannten Bordüren, in 
welchen die biblischen Scenen gedruckt wurden, das Wappen von 
Amsterdam als jenes der Verlagsstadt zeigen, so ist auf anderen Blät- 
tern an der Stelle desselben eine Tafel mit der Krone und dem Wahl- 
spruch des Kaisers Carl V.: PLVS OVLTRE. Auch die gekreuzten 
Säulen des Herkules mit der Krone kommen vor. Auf dem ersten 
Blatte ist statt des Wappens eine Schrifttafel, deren erste Zeile fast 
unleserlich ist. Brulliot II. N0. 2801 bringt "marneauno" heraus, und 
da voraus noch die Buchstaben cra oder era stehen,- so könnte man 
nach seiner Ansicht auch: Castro mitteliano. lesen. Dodo Petri musste 
also das Werk in Middelburg verlegt haben, was nicht der Fall ist, da er in 
Amsterdam eine Verlagshandlung hatte. Deutlich liest man weiter: In 
frequentissimo lolius Hollandie emporio. Dodo petrus Typographus excude- 
bat. Das "frequentissimum Emporium ist wohl Amsterdam, und der Xy- 
lograph hat wahrscheinlich den Namen der Stadt verschnitten. Es ist 
auch möglich, dass man aus der nndeutlichen ersten Zeile Andrea da 
Murano herausgelesen hat. 
917- Andrea da Murano tritt hier, wieim vorhergehenfdexiArtikel, 
 ohne Beruf unter den Monogrammisten au  Der En  
4'  "Hz länder Samuel Palmer behauptet nämlich in seinär 
History of Printing. London 1733 p. 390, im (Jabinet des Grafen von 
Pembrocke einen Knpferstich mit der Signatur A M. 1412 gesehen zu 
haben, und erregte schon von vornherein Verdacht, da er den Inhalt 
eines so alten, und für die Geschichte der Kupferstecherkunt so wich- 
tigen Blattes nicht bezeichnet. Er legt es geradeweg dem Andrea da 
Murano bei, so dass dieser venezianische Maler lange vor Maso Finiguerra 
Abdrücke von Kupferplatten gemacht haben müsste. Einen gläubigen 
Nachbeter fand Palmer an Papillon, welcher in seinem Traite I. p. 93 
sich auf diese englische Autorität beruft, aber nur die französische 
Ausgabe des Monogrammenbuches von Christ zur Hand hatte, welcher 
das Werk von Palmer eitirt, aber zunächst nur von Holzschnitten spricht, 
wie im vorhergehenden Artikel erwähnt ist. Somit wird also Andrea 
da Murano ohne seine Schuld zum Kupferstecher und Formsehneider 
gemacht, ohne dass irgend ein altes Blatt vorliegt, welches ihm muth-
        

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