Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - CF
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1545733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1549726
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775. 
Wenige Künstler seines Faches erfreuen sich einer solchen originellen 
Mannigfaltigkeit, wie wir sie bei Klein finden. Er sah aber auch vieler 
Ilerren Lande. Der Künstler bereiste Deutschland, Italien, Ungarn und 
andere ilsterreichisclze Kronläntler. In Wien radirte e1' von 1811-1815 
einen Theil seiner treftlichsten Blätter. Viele Jahre lebte er auch in 
Nürnberg der Kunst, und seit 1839 ist er in München thätig. 
Das Werk dieses Meisters beläuft sich jetzt gegen 430 Blätter, 
welche in verschiedenen Abdrücken vorhanden sind. Einige Blätter in 
Aquatinta, Mezzotinto, Kreidemanier und auf Stein abgerechnet, sind 
sie alle auf Kupfer radirt und geätzt. Ein Ungenannter (Ludwig Ebner 
in Augsburg) gab 1853 ein chronologisches Verzeiehniss der von Klein 
von 1805-1846 gezeichneten und radirten Blätter heraus, welches als 
Vorarbeit zu einer späteren ausführlichen Beschreibung und Nummerir- 
ung des Kleiifschen Werkes zu betrachten ist. 
Um die volle Schönheit dieser Blätter zu würdigen, muss man sie 
in alten Abdrückcn suchen. Die Adressen von Artaria in Wien und 
Mannheim, Ferdinand Kettner in Wien, L. Maisch in Wien, E. Arnold 
in Dresden, Frauenholz in Nürnberg, Morasch und Skerl in Dresden, 
und Klein's eigene Adresse dienen zur Empfehlung. Die Zeh'sche Buch- 
handlung in Nürnberg veranstaltete vor einiger Zeit eine neue Auflage. 
Die Mehrzahl von Klein's Blättern ist mit dem Namen versehen, 
viele tragen aber- auch das Monogramm. Obige Zeichen wiederholen 
sich mit geringen Modifikationen. Einige möchten sie wohl unter JAK. 
suchen, allein der das J bezeichnende Schnörkel ist öfter auch ein Zu- 
satz zum A. ohne Bedeutung. Jedenfalls reicht das Cursiv A. so weit 
links hinaus, als das J. Wir werden aber unter JAK den Rückweis geben. 
775. Adam Kraft von Nürnberg? Diese Initialen sollen sich auf 
w] einer alten, meisterhaften, mit der Feder ausgeführten, 
und in Bister vollendeten Zeichnung finden, welche vor 
etlichen Jahren in München zum Vorschein kam. Sie stellt den Hei- 
land dar, wie er von den Aposteln begleitet die Mütter mit den Kindern 
zu sich ruft, qu. fol. In den weiblichen Gestalten fand man grosse 
Aehnlichkeit mit jenen auf dem Steinbilde der dritten Station des be- 
rühmten Adam Kraift in Nürnberg, die Zeichnung dürfte aber nicht so 
alt seyn, als jenes Werk. Die Leidensstationen des A. Krafft sind um 
1490 gefertigt, während die Zeichnung aus dem ersten Decennium des 
16. Jahrhunderts zu stammen scheint, wenn sie nicht eine noch spätere 
Copie einer alten, vielleicht von A. Krafft herrührendcn Zeichnung ist. 
Es könnte sich um jene Darstellung handeln, welche durch ein altes, 
dem A. Krafft zugeschriebenes Blatt in Helldunkel bekannt ist. Diesen 
interessanten und sehr seltenen IIolzschnitt sahen wir erst vor einiger 
Zeit, und da er nirgends beschrieben ist, so bezeichnen wir hier die 
Hauptgruppe. Der Heiland hat ein Kind auf dem linken Arme, und 
streckt die rechte Hand segneud über ein neugebornes Kind aus. Dieses 
wird von der Mutter gehalten, und andere Frauen mit Kindern schliessen 
sich an. Die Apostel gruppiren sich hinter und zu den Seiten des 
Heilandes, gr. fol. Dieses Blatt ist meisterhaft in Helldtinkel behandelt, 
scheint aber doch erst nach dem 1507 oder 1508 erfolgten Tod des 
ehrwürdigen Meisters Kradt entstanden zu seyn. Nicht unwahrschein- 
lich liegt eine alte Zeichnung desselben zu Grunde, welche von einem 
Meister aus der Schule des älteren Cranach auf Holz übertragen, und 
etwas modernisirt wurde. Der Holzschnitt kann daher nicht von A. 
Krafft herrühren. Er ist ohne Namen und Zeichen. 
Dass nach dem Tode des Meisters Krafft Originalzeichnungen des- 
selben zum Holzschnitte benützt wurden, scheint folgendes Werk zu
        

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