Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - CF
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1545733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1548197
DÜRER. 
äso. 
201 
Doch bemerkt Heller, dass der Tod das Schwert über das Weib halte; 
allein das Wort "Sable" ist wohl irrig mit Schwert übersetzt. Von 
Meldemanms Adresse erwahnen die genannten Schriftsteller nichts, und 
haben daher das Blatt nicht selbst gesehen. Es ist wahrscheinlich einer 
jener Holzschnitte, welche erst in späterer Zeit zu Dürer's Arbeit ge- 
stempelt wurden.   
133) Allegorie, oder Vaticinium auf die Syphilis, ein fliegendes 
Blatt des Arztes Theodor Ulsen aus Friesland, welcher von 1495 bis 
1531 als Stadtphysikus in Nürnberg lebte. Dieses ausserst seltene Blatt 
betrachtet Hr. Cornill d'Orville in Frankfurt am Main als eine der älte- 
sten Arbeiten des A. Dürer, und er macht in Dr. Naumaniüs Archiv 
für die zeichnenden Künste, zweiter Jahrgang I. S. 100, zuerst darauf 
aufmerksam. Ueber dem Holzschnitte steht in drei Zeilen: 
THEODORICUS ULSENIUS MEDICUS LITTERAR. PATRONNIS 
IN EPIUIMIUX SCABIEM QUE PASSIM TOTO ORBE GRASSAT VATICINIÜ DIGAT 
LICHNICA GENESIS. 
Die Mitte des Blattes nimmt ein Holzschnitt ein, welcher einen 
Mann mit Federhut und Mantel vorstellt. An seinen etwas ausgestreckten 
Armen sind Geschwüre angegeben, so wie an dem entblössten Schenkel 
und am Halse. Neben seinem Kopfe befinden sich zwei Wappen, links 
der Nürnberger Jungfernadler, rechts das zweite Wappen der Stadt 
Nürnberg, und unten bei den Füssen des Mannes ist ein Wappen mit 
der Sonne. Im Hintergründe ist eine Landschaft mit Bergen, und oben 
eine Himmelskugel mit dem Zodiacus und der Jalirzahl 1484. Rechts 
und links von dieser Figur sind je 50 Verse, welche sich auf die 
Krankheit und ihre Folgen beziehen. Sie brach wahrscheinlich 1484 
in Deutschland aus, und 1494 zeigten sich die ersten Spuren in Nürn- 
berg. Dr. Th. Ulsen suchte dem Uebel zu steuern, und daher liess 
er das ertvahnte fliegende Blatt verbreiten. Unter dem 9 Z. 3-4 L. 
hohen, und 3 Z. 7 L. breiten Holzschnitte sind noch 13 Zeilen Text 
mit dem Schlüsse: Numberge Calendis Seaztilibus 1496. Es wäre wohl 
möglich, dass der Kupferstich mit den drei nackten Weibern, oder den 
sogenannten Hexen mit der Jahrzahl 1497 an der oben hängenden 
Erdkugel No. 33 sich auf diese Pestperiode beziehe, so dass der Tod 
und der Teufel zur Abschreckung vor dem Fleische mitwirken sollten. 
Im Jahre 1497 fand wenigstens Ulsen ein weites Feld der syphilitischen 
Praxis.  Die erwähnte Vorstellung trägt Dürer's Monogramm nicht, 
man kann sie aber nur diesem Meister zuschreiben. Hr. Oornill sagt, 
dass bei keinem, der das Blatt gesehen hatte, ein Zweifel übrig blieb. 
Somit hätten wir ausser dem oben No.131 erwähnten Holzschnitte mit 
den von Gerippen überfallenen Rittern ein zweites xylographisches Blatt 
aus Düreüs frühester Zeit. Das Exemplar in der Sammlung des Herrn 
Cornill d'0rville kommt aus den Handen des Herrn J. A. Börner in 
Nürnberg. Ein zweites bewahrt die k. Hof- und Staatsbibliothek zu 
München. Professor O. H. Fuchs in Göttingen, welcher eine Samm- 
lung der ältesten Schriftsteller über die Lustseuche in Deutschland 
herausgab, hielt 1843 in mehr als vierzig Bibliotheken vergebliche Nach- 
frage um das Vaticinium des Friesen Theodor Ulsen. In dem 1850 zu 
Göttingen bei Dietrich erschienenen Nachtrag zur erwähnten Sammlung 
ist es endlich abgedruckt. Der k. Reichsarchivar Dr. Th. Rudhart in 
München besorgte eine diplomatisch genaue Abschrift des Gedichtes. 
Die bildliche Vorstellung lag dem Professor Fuchs ferne.  Ein zwei- 
tes, bisher unbekanntes Blatt der Sammlung Cornill d'Orville ist unten 
N0. 141 beschrieben. 
134) Zwei Satyrn, Mann und Weib, deren Beine in phantastisches 
Schlingwerk ausgehen. Sie halten ein gethciltes Wappenschild mit dem
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.