Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - CF
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1545733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1548056
DÜRER. 
350. 
187 
Der Copist der apokalyptischen Bilder, worunter man gewöhnlich den 
Hieronymus Greff versteht, hatte viel leichtere Arbeit, da es nur galt, 
Strich für Strich nachzuschneiden, während Dürer sich seine Technik 
schaffen musste. A. Dürer sah sich auch genöthiget, die von Pleyden- 
wurf construirte einfache Galgenpresse zu verbessern, unter welcher 
die grossen Blätter der SchedePschen Chronik und des Schreins des 
Heils hervorgingen. Grosse Platten wurden höchst wahrscheinlich nicht 
in der Buchdruckerpresse abgedruckt, kleinere Stöcke aber Wurden in 
den Letternsatz aufgenommen. Dürer blieb in Folge seines erfinderi- 
schen Geistes nicht bei dem alten Verfahren stehen, da die alten und 
reinen Abdrücke seiner Holzschnitte und Kupferstiehe so vollkommen 
gedruckt sind, wie kein anderes Werk der früheren fränkischen Schule. 
Um aber dem Drucke die möglichste Vollkommenheit zu geben, waren 
verschiedene Versuche nothwendig, was Dürer als Drucker so gut er- 
fahren hat, als irgend ein moderner Form- und Kupferdrucker. Unter 
seinem Vorrathe von Abdrücken, welche dann der Buchdrucker zum 
Aufdrucken des Textes erhielt, blieben sicher viele Blätter ohne Text, 
welche er zu vollständigen Exemplaren der Apokalypse vereinigte, um 
sie an hohe Gönner und Freunde zu senden. Diese Erstlinge, welche 
jetzt äusserst selten vorkommen, sind viel schärfer und reiner im Drucke, 
und haben feines, doch kräftiges und leicht geripptes Papier, dasselbe, 
auf welches in den schönsten und seltensten Exemplaren deutscher 
Text gedruckt ist. Bartsch erklärt ebenfalls die Abdrücke ohne Text 
für die ersten, unterscheidet aber nicht die späteren Drucke dieser Art, 
welche augenscheinlich schwächer, und auf ein anderes, festeres Papier 
gemacht sind. Heller verwirft bekanntlich jene Priorität der Abdrücke 
gänzlich, indem er Bartsch entgegen die Exemplare mit deutschem Text 
für die frühesten erklärt. Diese Abdrücke sind jedenfalls sehr rein 
und scharf, und von kräftiger Schwärze, es finden sich aber dennoch 
ganz gleiche Abdrücke ohne Schrift, Welche sicher eben so alt sind, 
nur unbedruckt blieben. Das vollständige Werk dürfte aber äusserst 
selten im ersten Drucke vor dem Text vorhanden seyn. Im k. Cabinet 
zu München sind nur drei Blätter dieser Categorie.  Die erste 
Gesammtausgabe mit deutschem Text, deren Titel Heller S. 633 an- 
gibt, erschien 1498, die Abdrücke sind aber nicht schöner, als 
jene der dem genannten Schriftsteller unbekannten Ausgabe mit latei- 
nischem Texte von demselben Jahre. Sie erschien unter folgendem 
Titel: Apocalypsis ] cum figuris. Am Ende: Imprcssa Numberge per 
Albertum Durcr pictorcm. Anno Christiane milesimo quatlringentesimo 
nonagesimo octaoo. In beiden Ausgaben ist das letzte Blatt, der Engel 
mit Schlüssel und Kette, auf der Rückseite ohne Text. Die Sorte des 
Papiers beider Drucke ist nicht dieselbe. Das Papier der Ausgabe mit 
deutschem Text, welcher Heller die Priorität einräumt, ist in den 
frühesten Exemplaren weiss und ziemlich compakt, und die glatte Ober- 
iiäche fühlt sich seidenartig an. Es wurden aber auch Abdrücke auf 
sehr kräftiges, doch nicht minder feines Papier gemacht. Ein solches 
wurde ebenfalls zur Ausgabe mit lateinischem Texte benutzt. Nach 
den Abdrücken zu urtheilen, welche uns zum Vergleiche vorlagen, 
herrscht hinsichtlich der Schönheit und Schärfe des Druckes der Bilder 
beider Ausgaben kein auffallender Unterschied. Hält man dagegen die 
alten Exemplare mit jenen der Ausgabe von 1511 zusammen, so zeigt 
sich bereits ein entschiedenes Abnehmen an Feinheit und Reinheit des 
Druckes, besonders den Probeblättern ohne Text gegenüber. Die Ab- 
drücke von 1511, welche Heller S. 635 als jene der zweiten Art nimmt, 
haben auf der Rückseite zwei Text-Columnen, und wenn der genannte 
Schriftsteller nur diese und die deutsche Ausgabe zum Vergleiche
        

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