Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - CF
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1545733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1548047
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DÜRER. 
350. 
bieten. Dürer's Holzschnitt- und Kupferstichpassion scheint dem A. 
von Worms nur im Allgemeinen Veranlassung zur Produktion in der 
Weise unsers Meisters gegeben zu haben. Heller sah nur sechs Blätter 
mit dem Monogramme des A. v. Worms, glaubt aber, er habe die ganze 
Dürer'sche Passion copirt. Die Zahl der Blätter wird sich höchstens 
auf 16 belaufen, da sie zu einem Buche mit folgendem Titel gehören: 
Die XVI Dachreise. Cöln 1530, oder 1531. Der Text ist mit g0thi- 
sehen Missaltypen gedruckt. Die Folge scheint aber auch als Bild- 
werk ausgegeben worden zu seyn, da man Abdrücke ohne Text auf der 
Rückseite findet. 
90) Die kleine Passion, in sehr getreuen Copien von dem Formschneider 
C. Deis in Stuttgart, in der Grösse der Originale. Diese Nachbildungen 
erschienen von 1851 an in 33 Blättern in Tondruck, welcher die älteren 
graulicheil Abdrücke nachahmt. Wenn die Platten auf altes Papier 
des 16. Jahrhunderts abgedruckt wären, könnten minder geübte Lieb- 
haber getäuscht werden. Das Werk erschien unter dem Titel: Die 
kleine Passion von Albrecht Dürer. Herausgegeben von C. Deis Stuttgart 
1856, im Verlage des Formsohneiders. Auf Gartens in gr. 8. 
91) Die Offenbarung des Johannes, in 15 Darstellungen. B. N0. 60-75. 
H. 14 Z. 6 L. Br. 10 Z. 3  6 L. Bartsch und (liejenigeir, welche 
seine Ansicht theilen, wollen bekanntlich nicht zugeben, dass Dürer 
selbst das, Schneidmesser an die Platten der Apokalypse gesetzt habe. 
Baron von Rumohr aber, und die übrigen Verfechter der Eigenhändig- 
keit von Malerformschnitten, linden auch in den Blättern der Oifen- 
barung des Johannes die Merkmale der Hand Düreris, und dessen all- 
mähligen Fortschreitens zur höchsten Meisterschaft. Für den ersten 
Versuch hält von Rumohr das letzte Blatt der Folge, jenes mit dem 
den Drachen bindenden Engel, indem die Zeichnung sichtlich den 
Schwierigkeiten des Formschneidens unterlegen, und schwächer ist, als 
in Ansehung der Charakteristik. Zweitens, weil, bis auf wenige sehr 
ungeschickte, auch missrathene Versuche in dem Gewande des vorderen 
Engels, die Kreuzschraflirungen durchhin vermieden sind; weil im Zu- 
sammensetzen der Strichlagen von entgegengesetzter oder doch abwei- 
chender Richtung, wie in der Art die Faltcnbrüche auzudeuten, viel 
Unentschiedenheit sich verräth. Die Anbetung des Lammes scheint dem 
genannten Kritiker eine zweite Stufe zu b  nen. Die Kreuzschraf- 
firungen häufen sich, und gelingen, jagen? Anmuth, Feinheit der 
Charakteristik ist dem Künstler nicht meh unerreichbar. Eines der 
spätesten, aber meisterlichsten Blätter ist nach B. v. Rumohr jenes mit 
dem siebenköprigen Drachen. Hier schwinden mehr und mehr die Noth- 
behelfe und die technisch misslungenen Stellen, und es tritt hingegen 
das künstlerische Feuer an den Tag. Köpfe und Extremitäten sind 
durchhin mit Feinheit, die Schöne auf dem Drachen mit besonderer 
Gunst behandelt. Dürer erreichte in diesem Blatte eine malerische, 
magische Wirkung. Ein Werk dieser Art musste allerdings zur Nach- 
bildung reizen, und da Dürer einmal den technischen Weg des Form- 
schnittes geebnet hatte, so konnte es auch nicht fehlen, dass bald 
andere tüchtige Arbeiter denselben betraten. Die Gegner der Eigen- 
händigkeit von Malerformschnitten möchten aber wohl eher zugeben, 
dass irgend ein Gehülfc unter Leitung des Meisters jene Schwierig- 
keiten überwunden habe. Allein Dürer war um 1495  1498 wohl noch 
nicht in der Lage, von Gesellen Arbeiten ausführen zu lassen, welche 
wohl zur Sicherung seiner eigenen Existenz unternommen wurden. 
Wir haben kein Werk, welches bis dahin mit der Apokalypse ver- 
glichen werden kann, und es wäre wohl ungerecht, dem Dürer das Ver- 
dienst der Ausbildung der Technik des Formschnittes abzusprechen.
        

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