Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - CF
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1545733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1548023
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DÜRER. 
350. 
der Dürerischen Holzschnitte mit oder ohne Text zu bestimmen. Wenn 
gleich die Ausgabe mit Text grössere Unkosten verursachte, so konnte 
es dem Meister doch gleich seyn, die Bilder allein hinzugeben, viel- 
leicht zu geringerem Preise, da er mit Text die in jener Zeit nicht 
unbedeutende Summe von drei Gulden verlangte. Auch ist es kaum 
zu glauben, dass die Textausgabe so gering war, dass er zuletzt zur 
Befriedigung der Nachfrage die Bilder für sich abdrucken musste. 
Beide Abdrücke sind aber gleich vorzüglich, jene ohne Text noch reiner 
und schärfer, nicht so fett und schwarz, als gewöhnlich die mit den 
Versen des Chelidonius. Der Buchdruckerpresse hat sich beim Bild- 
druck Dürer wohl nicht bedient, und man ist berechtiget, ihm die Er- 
Findung einer eigenen Presse zuzugestehen. In diesem Falle musste er 
auf einen hinlänglichen Vorrath von Abdrücken für den Buchdrucker 
bedacht seyn, und es ist kaum zu laugnen, dass dieser grösser war, 
als der Bedarf zum Drucke der Passion mit Text. In diesem Falle 
mussten Exemplare mit den Bildern allein vorhanden seyn, und wenn 
nicht eine neuere Papiersorte, oder andere Zufälligkeiten eines späteren 
Druckes vorhanden sind, so kann man wohl annehmen, dass die Aus- 
gaben ohne Text erster Art sind. Die Abdrücke alter Blätter sind aber 
nie durchgehends gleich. Desswegen findet man auch Exemplare mit 
Text, welche weniger klar, schwarzer oder schwächer im Tone sind, 
als andere. Dass die Holzplatte unmittelbar vor dem Einlegen in die 
Buchdruckerpresse abgezogen wurde, um das weitere Einsprengen mit 
Wasser zu verhüten, können wir nicht glauben. Ueber eine Druck- 
Varietät des Blattes mit der Vertreibung aus dem Paradiese B. 18, 
s. oben N0. 56.  Heller beschreibt verschiedene Copien nach den 
Blättern der kleinen Passion, das Verzeichniss derselben lasst sich aber 
noch vermehren. In neuester Zeit schnitt C. Deis in Stuttgart diese 
Darstellungen meisterhaft nach. Unten N0. 90 machen wir auf diese Copie 
aufmerksam. Andere Copien sind in folgendem Werke: Die Episteln 
und Evangelien mit Summarien, Gebeten und Sprüchen dcc. Mit 84 Holz- 
sehnitten. Berlin, evangelischer Kirchenverein 1852.- Die Grablegung 
Christi, B. 44, copirte E. Sotain für Llistoire des peintres de toutes 
les ecoles  par Ch. le Blanc. H. 4 Z. 8 Z. Br. 3 Z. 6 L. 
84) Die kleine Passion in der Original-Folge, Venediger Ausgabe 
unter dem Titel: La Passione 1 Di N. S. Gieso Christa I D'Alberto Dv- 
rero I Di Norimbergo. i Sposta in ottave rime de P. R. Mauritio Moro etc. 
In Venetia M. DC. XII. Auf diesem Titelblatte ist auch das Bildniss 
Dürefs, ein schlechtes Produkt des Grabstichels, nicht jenes, auf wel- 
ches Heller No. 1958 verweiset. Auf Blatt A. 2. steht die Dedication 
an den schon auf dem Titel genannten Erzherzog Ferdinand von Oester- 
reich d. d. 7. April 1612, und unterschrieben von Donato Rasciotti. 
Auf der Stirnseite des dritten Blattes folgen zwei Sonette des M. Moro 
an den Erzherzog, und auf der Rückseite beginnen die Propositione, 
Invocatione aMaria Vergine, und enden auf der ersten Seite des vierten 
Blattes. Auf der Rückseite nehmen die Gedichte zu den gegenüber- 
stehenden Holzschnitten ihren Anfang. Jedes Gedicht nimmt eine Blatt- 
seite ein, und besteht aus drei achtzeiligen Strophen.  Bartsch hatte 
die Holzschnitte der Venediger Ausgabe nicht gesehen, und scheint sie 
für Copien gehalten zu haben, weil er S. 121 die Copien No. 16, 17 
u. 18 in die genannte Ausgabe versetzen möchte. Allein sie enthält 
Abdrücke der Originalplatten, und die Copien bei Bartsch gehören in 
die von Mommart veranstalteten Nachbildungen.  Die Holzschnitte 
der Venediger Ausgabe weichen von der von Bartsch angenommenen 
Ordnung ab, nämlich N0. 17-20, 22, 23, 21, 24  32. Nach N0. 32 
ist No. 31 wiederholt, von der darauffolgenden N0. 33 an ist aber die
        

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