Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - CF
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1545733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1547866
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DÜRER. 
350. 
geflügelten Genius zu ihrer Rechten, die Attribute streng in's Auge 
fassend kam Choulant zu folgender Lehre des Bildes: „Weder das 
müssige Nachsinnen, noch die einzig auf das tägliche Leben und seine 
Bedürfnisse gerichtete Bestrebung soll unser Leben aussehliesslich füllen; 
nur die rechte und innige Verbindung beider erhält uns die Frische 
und Heiterkeit des Geistes, vor der alle trüben Gedanken, ja die Me- 
lancholie selber fliehen muss, wie ihr durch die Aufschrift: MELEN- 
COLIA ä] (I : I to. geh', weiche Melancholie) geboten wird. Ueber 
Allem aber im Bilde, wie über allem Menschlichen im Leben, schweben 
die Kategorieen des Möglichen, Wirklichen und Nothwendigen bildlich 
dargestellt durch die Möglichkeit der Bewegung in Waage und Glocke, 
die wirkliche Bewegung in der Uhr, und die Nothwendigkeit in der 
unabänderlichen Zahl des magischen Quadrats. Eine solche Lehre, 
jedem Ohre klingend, keiner Zunge fremd, sinnig und künstlerisch dar- 
zulegen, musste, um klar zu werden, nothwendig an einem und dem- 
selben Gegenstande, hier der reinen und angewandten Mathematik, ab- 
gesponnen werden, und eine solche Aufgabe war wohl des künstlerischen 
Fleisscs werth, der an die Darstellung von dem unvergleichlichen 
Meister gewendet worden ist."  Den höchsten Preis eines Abdruckes 
erreichte jener der Sammlung Ackermann 1853. Er wurde mit 101 Thlr. 
bezahlt. Dieses Exemplar behielt den ursprünglichen Rand, welcher 
in neuester Zeit sonderbarer Weise fast noch höher bezahlt wird, als 
die Darstellung. Das Exemplar der Ste1'nberg'schen Sammlung galt 
4014, Thlr., was bis 1838 unerhört war. Ein ausgezeichnet schöner 
Druck ohne Rand erreichte in der Ackermanmschen Auktion nur die 
Summe von 24 Thlrn. Die ältesten Abdrücke haben das No. 1, 3 u. s. w. 
erwähnte köstliche Papier mit der Krone, oder dem Kruge als Wasser- 
zeichen.  Eine moderne Oopie in Holzschnitt ist in der Histoire des 
Peintres de toutes les ecoles  Par Ch. le Blanc, gefertiget von Ch. 
Jardin, aber nach der Copie von J. Wierx. H. 7Z. 5 L. Br. 5Z. 10 L. 
 Im Art-Journal 1851 ist ebenfalls ein Abdruck. 
33) Die vier nackten Frauen, oder sogenannten Hexen mit dem 
Todtenkopf zu den Füssen, und dem links an der offenen Thüre in 
Rauch und Flammen lauernden Teufel, B. N0. 75. H. 7 Z. 1 L. Br. 
4 Z. 11 L.  Dieses Blatt rechnet man gewöhnlich unter die ersten 
Arbeiten des Meisters, weil an der oben hängenden Erdkugel die Jahr- 
zahl 1497 steht. Unter dieser Jahrzahl sind die Buchstaben 0. G. H., 
welche „O Gott Hilf i" bedeuten "sollen. Die Kugel erregt aber ver- 
schiedene Zweifel. Einmal stammt das Blatt nicht aus Düreüs frühe- 
ster Zeit, denn es ist sehr sicher und kräftig gestochen, wie je ein 
Blatt aus der Bliithezeit des Meisters. Die Jahrzahl1497 deutet daher 
sicher nicht auf die Zeit der Entstehung desselben, sondern auf irgend 
eine Begebenheit. Auch die Deutung der Buchstaben O. G. H. scheint 
des Beweises zu bedürfen; denn Hexen gehen nicht unter Anrufung 
der Hülfe Gottes an das unheimliche Werk. Oder wollte vielleicht der 
Meister auf die Anrufung der göttlichen Hülfe bei den Versuchungen 
des Fleisches hindeuten ? Die nackten Weiber, welche hier vorgestellt 
sind, und Muster für Hexen abgeben sollen, erregen aber so wenig 
Begierde, dass es des Teufels und des Todtenkopfes zur Abschreckung 
gar nicht bedarf. Der Künstler legte sicher einen anderen Sinn in das 
Bild: Alles Fleischliche unterliegt dem Tode, und ohne Gottes Hülfe 
und Gnade verfällt der sinnliche Mensch dem Bösen, dem ewigen Ver- 
derben!  Wenn nun, wie wir sicher annehmen dürfen, Dürer's Stich 
nicht in das Jahr 1497 fällt, sondern wenigstens ein Decennium später 
entstanden ist, so könnten ihn Israel von Meckenen und Wenzel von 
Olmütz nicht nach Dürer eopirt haben. Auf dem Blatte des ersteren
        

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