Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - CF
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1545733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1546985
184 
186. 
Dieses Werk ist von einem holländischen Meister aus der früheren 
Zeit des 16. Jahrhunderts, und verrath einen Künstler, welcher mit 
der Kunstweise der alten Schule bereits gebrochen hatte, aber noch in 
der Durchbildung zur neuen begriffen ist. Um die Lenden des Ge- 
kreuzigten schliessen sich fliegende Tücher, wie in Schoorclls Bildern, 
und der Ausdruck des Schmerzes und Mitleidens in den Hauptfiguren 
ist energisch. Das Gold ist nicht mehr angewendet, nur in den Licht- 
parthien in den Haaren, und an einigen anderen Stellen ist Goldfarbe 
gebraucht. An einigen Saumen der Gewänder ist Schrift zu bemerken, 
deren Sinn aber nicht klar wird. Der Besitzer des Bildes versicherte 
uns, einen alten Kupferstich mit derselben Uomposition gesehen zu haben. 
Ueber den Meister haben wir nur eine Vermuthung. Ein ähnliches 
A. B. fanden wir auf einer Zeichnung dem Arnold de. Beer beigelegt, 
und vielleicht ist auch das Bild der Kreuzigung von ihm. Das Mono- 
gramm gehört wahrscheinlich einem Künstler an, indem es allein steht 
und in Goldfarbe aufgetragen ist, während die Schriften an den Säiumen 
der Gewänder schwarz erscheinen. 
184- Arnold Brun oder Bruyn soll der Träger dieser Initialen seyn. 
Nach einer gefälligcn Mittheilung findet man sie auf einem 
Ä B schönen Weiblichen Bildnisse, welches vor etlichen Jahren 
'zu Speyer in die Hände eines Kunsthändlers überging. 
Die junge Dame erscheint im Costüme des 16. Jahrhunderts, und ist 
von einem Meister gemalt, welcher der Richtung des Ilans Holbein 
folgte. Wenn nun die Buchstaben A B. sich nicht auf die dargestellte Per- 
son beziehen, so könnte man wohl an A. Brun denken, da dieser Meister 
auch eines aus diesen Initialen gebildeten Monogramms Sich bediente. 
 Giovanni Andreaßeltraflio? Nach Brulliot I. N0. 95 findet 
man das gegebene Zeichen auf Gemälden, welche an jene des 
Bernardo Luini erinnern, nur aber trockener erscheinen, und 
. nicht mit jener Meisterschaft behandelt sind, welcher sich 
Luini erfreute. Den Namen des Monogrammisten nennt Brul- 
liot nicht, so wie er auch nicht angibt, wo sich Gemälde mit den 
Buchstaben AB. finden.  
Die Richtung des Bernardo Luini ist jene des grossen Leonardo 
da Vinci, welchem sogar Gemälde Luini's zugeschrieben wurden. Bel- 
traffio gehört derselben Schule an, konnte aber weder den einen, noch 
den anderen der genannten Meister erreichen. Im Ganzen aber erin- 
nern seine Werke an die Art des Leonardo, und somit auch an jene 
des B. Luini, dessen Lebenswärme ihm aber fehlt. Es ist daher wohl 
möglich, dass das gegebene Zeichen dem Beltrafiio angehöre. Zum 
Vergleiche dient das Gemälde der hl. Jungfrau mit dem Kinde, und 
dem Donator Girolamo Cesi, welches aus der Kirche La Misericordia 
ausserhalb Bologna in das französische Museum gelangte. Auch in der 
Gallerie des Museums zu Berlin sind zwei Gemälde von Beltraflio. 
Er starb 1516 im 49. Jahre. 
185. Unbekannter Maler. Nach Brnlliot II. N0. 13 iindet man 
diese Initialen auf Gemälden in der Weise des 
AB 151-7 Franz Floris, allein es ist zu bemerken, dass dieser 
' ' Meister erst gegen 1520 geboren wurde, und somit 
kann ein A B. 1517 nicht in seiner Manier gemalt haben. Von dem 
sonst unbekannten A. Boinmerdt, auf welchen Brulliot nach einer hand- 
schriftlichen Notiz des Mr. Hazard verfiel, kann ebenfalls keine Rede 
seyn, da dieser Maler 1645 gelebt haben soll, wie Heller angibt. Wenn 
sich nun, wie wir glauben, wirklich Gemälde mit A B. 1517 finden, so 
müssen wir die Entdeckung seines Namens einem Glücklicheren überlassen.
        

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