Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - CF
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1545733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1556032
2365. 
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Hauses Angouleme. Auf eine solche Portraitsammlung deutet eine 
Erzählung Brantöme's. Die Königin Mutter, d. i. Catharina de Medici, 
besuchte nämlich bei ihrer Anwesenheit in Lyon den Maler Corneille, 
und bei ihm fand sie in einem grossen Zimmer Bildnisse der genann- 
ten Fürstenpersonen und anderer Notabilitäten ausgestellt. Auch ihr 
eigenes Bildniss, so wie die Portraite ihrer drei Prinzessinnen waren 
vorhanden. Letztere gehörten zu den Schönheiten des Hofes, und 
die anwesenden Cavaliere sahen sich zu einem schmeiehelhaften Ver- 
gleiche mit der königlichen lllutter aufgefordert, da letztere ebenfalls 
in der Blüthe ihrer Jahre, und in dem prachtvollen Costüme, Welches 
sie liebte, dargestellt war. Corneille hatte sie aber eben so wenig 
nach dem Leben gemalt, als die Prinzessinnen, sondern nur Portraite 
anderer Meister, vielleicht solche der Olouet oder Janet, copirt. 
Dieses ist nun auch mit anderen Portraiten, besonders mit solchen 
der älteren Mitglieder des französischen Hofes der Fall, man dachte 
aber lange nicht an Corneille, sondern schrieb alle Bildnisse von 
Gliedern des französischen Königshauses fast unbedingt den drei 
Malern Janet zu. Diess ist z. B. mit dem Bildnisse Franz I. von 
Frankreich im Musee du Louvre N0. 25 der Fall. Er ist als Prinz 
von 20 Jahren vorgestellt, also im Jahre 1514, und so unähnlich, dass 
man ohne die Aufschrift einen anderen Fürsten vermuthen müsste. 
Nach dem Leben konnte ihn Corneille nicht gemalt haben, da aber 
dieses Portrait in seiner Sammlung von 1546 vorkommt, so muss er 
ein tniähnliches Portrait in Copie besessen haben, und diess ist wahr- 
scheinlich jenes im Louvre N0. 25. Das Bildniss ist klein, und man 
schreibt es dem älteren Janet zu, welcher aber den Prinzen nach dem 
Leben gemalt haben müsste, und als trefflicher Meister gewiss im 
Stande gewesen wäre, die Züge des Fürsten genau zu fassen. Man 
kann daher mit grösster Wahrscheinlichkeit annehmen, dass das Bild- 
niss Franz I. im Louvre aus der Portraitsammlung des Meisters Cor- 
neille stamme, da es im Machwerke mit vielen anderen Bildnissen 
stimmt, welche alle in kleinem Formate gehalten sind, und auf ein 
Privatkabinet deuten, worunter kein anderes zu verstehen seyn dürfte, 
als jenes des Malers Corneille von Lyon. Die noch vorhandenen 
Bildnisse dieser Art verrathen eine sehr geübte Hand. Sie sind sehr 
zart im Silbertone, auf Wasser-grünem Grunde gemalt, aber fast flach, 
da der Maler wenig modellirte. Die Farben sind ganz dünn aufge- 
tragen, und noch von einer Frische der Lasuren, dass man diese 
Bildnisse zu den schönsten Erzeugnissen der alten französischen Schule 
zählen kann. 1m Museum des Louvre, in der Gallerie zu Versailles, 
und in Privatkabinetten sind noch viele solcher Bildnisse, welche aber 
gewöhnlich den drei Olouet, oder Janet, zugeschrieben werden, obwohl 
sie mit den ächten Malereien dieser Meister nicht stimmen. Graf 
Leo de Laborde (La Renaissance des arts a la cour de France 
p. 77 u. 144) ist der erste, welcher für G. Corneille in die Schranken 
tritt. Er erkennt aber in diesen Bildern nur Copien nach älteren 
Portraiten, und solchen nach gleichzeitigen Meistern. Uebrigens ist 
bei keinem früheren Schriftsteller mit Bestimmtheit ausgesprochen, 
dass Bildnisse dieser Art von Claude Corneille herrühren. Brantöme 
kann aber wohl von keinem anderen Corneille Kunde gehabt haben, 
als von diesem Claude Corneille, welcher um 1540- 1570 in Lyon 
lebte. Auf ihn passt auch das gegebene Monogramm, welches fast 
auf jedem Blatte mit den Bildnissen der alten französischen Könige 
in folgendem Werke vorkommt: Epitomes des roys de France en Latin 
et en Francoys auec leur vrayes Figures.  Lugdzani, Balthasar Amoullet, 
1546, 8. Darunter sind jene Bildnisse, welche Graf de Laborde dem
        

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