Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Venezianische Skizzenbuch und seine Beziehungen zur Umbrischen Malerschule
Person:
Kahl, Robert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1544152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1545609
122 
kindlich gezeichneten Henker in Venedig. Der kleine Julus, welchen Acncas 
an der Hand faßt, den Vater auf dem Rücken tragend, ifi ganz im Stile Pin- 
turicchios: fein Typus ift in vielen Puttenzeichnungen des Skizzenbuches 
wiederzufinden. Im Gewande hat die Hiehende Kreufa Aehnlichkeit mit der 
weiblichen Gewandfiudie auf N0, 74, ihr Kopf zeigt den Typus der Frauenköpfe 
des Skizzenbuches. Doch auch die Bildung einzelner Körpertheile auf diefem 
Bilde ift eine ähnliche, Füße und Hände find nach demfelben Mufier geformt. 
Dominiren hier die Eigenfchaften Pinturicchids, fo wiegt in dem anderen 
Fresco der Einfluß des Signorelli vor. Eine Gefialt wie der Mann mit den auf 
den Rücken gebundenen Händen, der rechts vor dem auf dem Throne fitzenden 
Imperator ficht, ift ganz im Geifte des Cortonefen erfunden. Die ganze Gruppe 
felbft verräth die deutlichften Verwandtfchaftsbeziehungen zu den nackten Geftalten 
in Orvieto. Das find ebenfo fcharfe Hinweifungen auf Genga, als fie unfere Hypo- 
thefe bei günfiigem ZufammentrefTen noch anderer Umfiände ftützen könnten. 1) 
Wir wiifen ja allerdings nicht, ob fich Genga unter denen befand, die mit 
Pinturicchio an der Ausmalung der Libreria Theil nahmen: fein Zufammentreffen 
mit diefem jedoch am felben Orte und zur felben Zeit ifi nicht zu bezweifeln. 
Sonft aber findet fich  die Arbeiten nur diefer einen Hand betrachtet  nichts 
im Skizzenbuche, das der Annahme feiner, natürlich noch durch weitere For- 
fchungen zu befiätigenden, Autorfchaft widerfpräche. Und damit ift viel ge- 
wonnen: haben wir doch gefehen, wie bei RaHael und Pinturicchio fofort fich 
Umfiände geltend machten, die ihre Urheberfchaft am Skizzenbuche unmöglich 
erfcheinen ließen. Vielleicht gelingt es einem durch diefe Andeutungen auf- 
merkfam gemachten Forfcher, den Faden weiter zu verfolgen. Nur als einen 
Zufall will ich fogar das Factum betrachten, daß (ich als einziges nach einem 
Monogramm ausfehendes Zeichen im Skizzenbuche das (9: (auf N0. 22) erhalten 
hat, deffen Deutung auf Jeronimo Genga in diefem Falle ganz ungezwungen 
erfcheinen dürfte. 
Es kann nicht meine Abficht fein, auf die eben gemachten Erklärungs- 
verfuche hin nochmals die im Haupttheile fchon ausführlich behandelten Zeich- 
nungen des Skizzenbuches durchzugehen. Sclbft wenn ich mit mehr Vertrauen, 
als ich es thun darf, den Namen Girolamo Genga für das Skizzenbuch in An- 
fpruch nähme, würde ich es bei der geringen Zuverläffigkeit, die manche Indi- 
cien haben, nicht wagen, Zeichnung für Zeichnung mit einem Namen zu ver- 
fehen. Der Charakter eines Uebungsheftes der Schule haftet dem Büchlein  
immer an, und es ift fchier unmöglich, "die gerade in folcher Periode oft zum 
I) Die Zeichnung zum letzten Bilde findet {ich in Lille, nach Vifcher (a. a. O. p. 313) 
die erfte vorläufige Skizze, die dann Rark (lurchcorrigirt wurde. Eine grofse Anzahl ähnlicher 
Zeichnungen (ebenfalls in Lille), die manches mit dem Skizzenbuche Verwandte haben, {ind 
nach demfelben Autor ebenfalls von Genga. Dort dem Giacomo Francia zugefchrieben.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.