Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Wer ist Rembrandt?
Person:
Lautner, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1533501
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1537985
400 
Theil. 
Capitel. 
Europa getragen wurde, verblich sein Stern in der Heimath 
mehr und mehr. In den sechziger Jahren des XVll. Jahr- 
hunderts hatte ihn das Publikum in Amsterdam fast 
vergessen, und er war daselbst bereits zu einer gleichsam 
mythischen Persönlichkeit geworden. Er War immer noch 
der „grosse Rembrandt" von ehemals, man hielt ihn für 
einen Geizhals, der trotz des vielen Geldes, das er ehedem 
verdient hatte, nun ärmlich und zurückgezogen lebte. Man 
hatte es ihm verdacht, dass er seinen noch im Knabenalter 
befindlichen Sohn in den Strassen und Häusern umhergehen 
liess, um Kunstblätter zum Verkaufe anzubieten, und wusste 
nicht, dass der Knabe gezwungen war, sich einen Erwerb 
zu suchen, um sich und seinen Vater zu erhalten. Nur 
wenige Menschen kannten Rembrandts wahre Lebensum- 
stande und noch wenigere seinen Charakter. Auch sein alter 
Bekannter van Ludick sogar hatte sich vollkommen über ihn 
getäuscht, und der für Rembrandts Enkelin Titia bestellte Vor- 
mund hatte keine Ahnung von seinen thatsachlichen Lebens- 
verhältnissen, sondern glaubte nach dem Tode Rembrandts, 
dieser müsse ein Vermögen hinterlassen haben.  Wahr- 
scheinlich in Folge des im Jahre 1656 stattgefundenen Ver- 
kaufes seiner Kunstsachen bildete sich im Publicum die 
Sage, er habe seinen Tod aussprengen lassen, um seine 
Kunstschätze möglichst vortheilhaft zu verkaufen.  Da 
man seit der Zeit, in Welcher seine Habe verkauft worden 
war, öffentlich von Rembrandt nichts mehr gehört. und die 
Werke anderer Künstler die Aufmerksamkeit auf sich gezogen 
hatten, so nahmen wohl viele Leute an, er habe Amsterdam 
verlassen; den Reisenden, welche in dieser Zeit Amsterdam 
besuchten und nach dem weltberühmten Künstler und seinen 
Kunstschätzen und Raritäten fragten, mögen die Kunst- 
händler erzählt haben, er sei inis Ausland gegangen und dort
        

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