Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Wer ist Rembrandt?
Person:
Lautner, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1533501
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1537479
Fex 
{und 
B01 
Künstler 
als 
349 
Bei der biblischen Erzählung kann sich ein Jeder den 
Abraham so vorstellen, wie er will, und wenn er sich denselben 
so hinfällig denkt, den Vorgang durch ein Wunder erklären. 
In einem Bilde aber, das doch den Gegenstand unmittelbar 
dem Auge vor-führt, drängt sich eine derartige Unnatur un- 
angenehm auf. Es ist in der Radirung sonach eine falsche 
Causalitat zur Erscheinung gekommen, welche wir bei der 
durchgehends realistischen und wahren Auffassung des grosscn 
Künstlers sonst nicht finden und am wenigsten unter den 
Werken seiner späteren Zeit verinuthen. Auch die bärtigen 
Engel mit den altlichen und plebejischen Köpfen scheinen 
nicht aus dem Geiste F. B0l's hervorgegangen zu sein, denn 
WO F. B01 sonst Engel dargestellt hat, wählte er zu deren 
Wiedergabe lebensfrische Jtinglingsgestalten oder Knaben- 
körper. S0 ist auch der Engel, der die Familie des Tobias 
verlasst, als eine schlanke, blondlockige Jünglingsgestalt dar- 
gestellt; auch die Engel, welche den Abraham von der 
Opferung seines Sohnes zurückhalten oder am Grabe des 
Auferstandenen sitzen, sind Jünglinge. Deshalb kann es 
scheinen, dass die genannte Radirung' der Autorschaft B0l's 
nicht angehöre. 
Da es gleichwohl der Fall ist, so muss die Radirung 
viel früher als das Oelbild entstanden sein. Aus 
dem Gegensatze der Radirung zu dem Oelbilde wird man 
eine grosse Wandelung und Vertiefung in der Auffassung und 
einen bedeutenden geistigen Fortschritt des Künstlers er- 
kennen. 
Die Bärte aber, welche auf der betreffenden Radirung 
-die Gesichter jener Engel verunstalten, sind offenbar spätere 
Hinzufügungen einer fremden Hand. Der damalige Besitzer 
der Platte wollte den Sammlern und Liebhabern die neuen 
Abdrücke durch die Veränderung wahrscheinlich interessanter
        

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