Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Wer ist Rembrandt?
Person:
Lautner, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1533501
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1537462
335 
Theil. 
Capitel. 
Der Horizont des zuletzt genannten Bildes liegt genau 
im unteren Drittel der Bildfläche, dasselbe wird daher kurz 
vor dem Jahre 1656 entstanden sein, während der „'l'raun1 
Jacob's" bereits am Anfange der fünfziger Jahre gemalt 
worden sein muss. 
Nach der Annahme des Herrn Dr. Bode soll der "Abra- 
ham, die Engel bewirthend" von Rembrandt "um 1650" ge- 
malt werden sein. Die denselben Gegenstand behandelnde 
Radirung soll Rembrandt im Jahre 1656 gemacht haben. 
Derselben liegt eine ähnliche Composition, aber eine völlig 
andere Auffassung, besonders der Persönlichkeiten, zu 
Grunde; ja, letztere ist so verschieden, dass es schwer wird 
zu glauben, sie könne von demselben Künstler her-stammen. 
Dass diese Radirung, besonders was die perspectivisclie 
Zeichnung anlangt, sowie in der Würde der Auifassung Cles 
Gegenstandes hinter dem Oelbilde in der Ermitage zurück- 
steht, kann nicht zweifelhaft sein. Wie aber derselbe 
Künstler, der dieses herrliche Oelbild geschaffen hat, sechs 
Jahre später diese Radirung in seinem Geiste coneipirt 
haben sollte, ist mir wenigstens völlig unfassbar. 
Auf dem Oelbilde ist Abraham als ein kräftiger und 
hoheitsvoller Greis dargestellt, der, obwohl die Gäste be- 
wirthend, doch mit ihnen zu Tische sitzt, und d_em gegen- 
über uns die Prophezeihung des Herren nicht naturwidrig- 
und unerfüllbar erscheint. 
Auf der Radirung dagegen erscheint Abraham nicht nur 
als Diener, der beim Mahle aufwartet, sondern als ein kleiner, 
hagerer Greis, dem das Alter den Rücken beugte und der 
mit zitternden Händen den Krug emporhült, den er den 
Gästen zuträgt. Im Hinblick auf diese dürftige Greisenge- 
stalt erscheint die Erfüllung der Prophezeiung als Widrige 
Unnatur. 
        

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