Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Wer ist Rembrandt?
Person:
Lautner, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1533501
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1536368
ß 
Theil. 
I. Capitel. 
Der grosse Künstler aber, der sich von dem "Traum 
Jacob's" und dem „Opfer Salomds" von 1658 stetig fort- 
schreitend zu der höchsten Ausbildung der Coloristik und 
malerischen Technik, die wir in den genannten Bildern be- 
wunderten, entwickelte, muss nothwendigerweise eine 
grosse Anzahl von Portraits und Historienbildern gemalt 
haben, welche als Vor- und Zwischenstufen zu diesen fünf 
Bildern dienten. Hier" wird es verständlich, dass der ge- 
danken- und gemüthstiefe Schöpfer des „Traumes Jacob's" 
thatsächlich sehr wohl im Stande gewesen ist der biblischen 
Verheissung, welche er in diesem Bilde mit intuitivem Blick 
darstellte, auch die Erfüllung nachfolgen zu lassen.  
In dem Bilde des „Simeon im Tempel" im Haag, 
welches ebenfalls Bol's Bezeichnungen an sich tragt, ist der 
Dank gegen Gott für den von ihm in die Welt gesendeten 
Heiland in der Gestalt des Simeon zu ergreifendem Ausdruck 
gelangt. Dieses Bild ist in jeder Hinsicht, wie bereits 
bemerkt, nicht als das Werk eines jugendlichen, wenn auch 
noch so genialen Künstlers anzusehen, sondern nothwendig 
als dasjenige eines gereiften Mannes. Die Gedanken Koloffs 
hierüber habe ich bereits in der Kritik des vermeintlichen 
„Entwickelungsganges Rembrandts" wiedergegeben. 
Der Künstler, der dieses Bild malte, musste in sich 
bereits völlig geklärt und ausgereift sein, um die begeisterte, 
reine Freude eines alten Mannes, der seine Lebens- 
hoffnungen in dem Augenblicke verwirklicht sieht, in welchem 
er den zukünftigen Welterlöser erblickt und in seine Arme 
schliesst, nachempfinden und ausdrücken zu können. Nur 
darum kann dieses Bild so wahr sein und dem Momente 
der Handlung so völlig entsprechen, dass es nicht nur durch 
die Gewalt seines Helldunkels, sondern auch durch den Ge- 
sichtsausdruck und die in der ganzen Gestalt des Simeon
        

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