Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Wer ist Rembrandt?
Person:
Lautner, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1533501
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1534972
Zur Charakteristik Renlbrandifs. 
99 
Fornarina 
und diese 
geheissen, alle Welt hätte ihr Portrait adorirt 
durch das Gesetz nicht sanctionirte Liebe ideali- 
sirt". Der Analogie-Schluss aus dem Vergleiche mit Rafael 
ist verfehlt, denn Rafael lebte auf dem heissen Boden des 
zu seiner Zeit unsittlichen Rom als ein unverheiratheter 
Mann, der mit seiner Liebe Niemandes Gefühl, noch irgend 
Welche Rechte verletzte oder gegen bestimmte Pflichten 
verstiess; Rembrandt dagegen lebte unter nordischem Himmel 
als Angehöriger eines Volkes von calvinistisch  sittlichen 
Grundsätzenß) dem sein Verhältniss zum Aergerniss ge- 
reichte; vor allen Dingen war er aber persönlich nicht mehr 
frei, sondern hatte moralische und rechtliche Verpflichtungen 
gegen 
deren 
seinen Sohn und gegen seine 
Vermögen er laut 'l'estament 
verstorbene Frau, 
den Niessbrauch 
V01] 
1'111 1' 
bedingungsweise 
hatte. 
Er 
unlging 
durch 
sein 
C011- 
cubinat 
das 
Testament 
Saskiefs 
und 
machte 
sich 
durch 
dieses 
Verhältniss 
des 
Vertrauensbruches 
und 
der 
Pflicht- 
Verletzung 
schuldig". 
 Ich Will hier nicht constatiren, dass eine besonders sittenstrenge 
Zeit eine durchaus sittliche sei. Auch liegt es mir fern, mich zum 
Tugendrichter machen zu wollen. Es handelt sich hier besonders nur 
darum, festzustellen, in welchem sittlichen Verhältnisse Rembrandt zu 
seinen Zeitgenossen gestanden habe und welche Wirkung seine moralische 
Handlungsweise auf seine Zeitgenossen, wie sie nun einmal waren, noth- 
wendiger Weise ausgeübt hat. In diesem Falle ist es wegen eines Ver- 
stosses gegen die herrschenden, allgemein anerkannten religiösen und 
moralischen Grundsätze (Welche eine Zeit charakterisiren und durch welche 
die Maschine des öffentlichen Lebens erhalten wird und nur allein er- 
halten werden kann) zu einem öffentlichen Skandal gekommen, der zu 
allen Zeiten bei der sogenannten guten Gesellschaft am meisten compro- 
mittirt hat und dazu führte, dass der Schuldige Tbeil von der Gesellschaft 
gemieden und ausgeschlossen wurde. Dass sich also eine feine Dame 
Amsterdams darnach noch sollte von Rembrandt haben malen lassen, 
ist kaum denkbar.
        

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