Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1530751
EINFLUSS 
LEONARDUS. 
lie vielleicht auch die profane Auffafftmg nennen, aber nur geradefo wie 
Phidias und Polyklet die griechifchen Göttertypen profanifirten  befafs 
Raffael in der florentiner Kunft bereits mannigfache Vorgänger. Dem 
Beifpiele Donatellds und anderer Plaftiker folgend, haben auch fchon 
die Filippo und Filippino Lippi, die Botticelli und Verrocchio die fröhlich 
liebende, xjugendlich fchöne Mutter in das Leben gerufen. Sie malten, 
wie das Kind an der Mutter emporklettert, {ich an diefe zärtlich an- 
fchmiegt; fie fchildern, wie die Mutter ihrem Erftling eine Frucht, ein 
Spielzeug zeigt. Aber das Hauptmotiv bei ihnen bleibt doch die An- 
betung des Chriftkindes durch die Madonna, welche mit gefalteten Händen 
vor demfelben kniet oder von Engeln fich dasfelbe reichen läfst. Die 
alte Tradition wirft auf ihre Darftellungen häufig einen wenn auch leichten 
Schatten, bei aller frifchen Lebendigkeit der Einzelfchilderung, während 
bei Raffael die neue Auffaffung ganz ungetrübt und ungehemmt herrfcht. 
Mit welchem raftlofen Fleifse und unermüdlichen Eifer giebt {ich 
aber auch der Künftler feiner Aufgabe hin! Nur einen geringen Theil 
der Madonnenbilder hat Raffael in Farbe ausgefuhrt. Die überwiegende 
Zahl feiner Mariencompofitionen blieb im Zuftande des Entwurfes und 
konnte erit in den letzten Jahren, feitdem die Photographie die Hand- 
zeichnungen alter Meifter weiteren Kreifen zugänglich machte, in ihrem 
V0llen Werthe erkannt werden. Denn in diefen oft nur mit der Feder 
flüchtig fkizzirten, oft mit dem Silberftift in den Umriffen forgfältig ge- 
führten oder durch aufgehöhte Lichter mehr malerifch behandelten 
Zeichnungen offenbart fich nicht allein der unerfchöpfliche Reichthum 
der Raffaelifchen Phantafie, welche felbft bei eng begrenztem Inhalt in 
immer neuen Formen flch ergeht, in ihnen enthüllt {ich auch am deut- 
liChPten der Einflufs, welchen die Horentiner Kunft auf Hand und Auge 
Räffaefs übte. Er erftreckt {ich von technifchen Aeufserlichkeiten, wie 
der Wahl farbigen Papiers, wodurch eine weiche, angenehme Mittellage 
für die ganze Zeichnung gewonnen wird, bis zu den in höherem Maafse 
belebten Kopftypen und den freieren Bewegungsformen. Wie fehr ihn 
namentlich Leonardo feffelte und in feine Zauberkreife zog, erkennt man 
ungleich fchärfer aus feinen Zeichnungen als aus feinen Gemälden, in 
Welchen er flch der Malweife des grofsen Lombarden doch nur auf ganz 
mittelbarem Wege näherte. Und in den Zeichnungen wieder ift es nicht 
fo fehr die Gruppe als die Einzelgeflalt? in welcher flch Leonardos 
MUÜCY abfpiegelt. Von der Stärke des Wiederfcheines überzeugt man 
(Q1?
        

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