Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1530733
ÜBERGANG 
NACH 
FLORENZ. 
kraft kam der Tafelmalerei zu Gute. Wirkfame Förderung empfing die- 
felbe auch durch die gerade jetzt erwachende Sammelluü von Privat- 
Qerfonen. An die Stelle der Körperfchaften, welche ehedem die KunPc- 
pflege in Händen hielten, traten einzelne Liebhaber, die in ihrem aftudiov 
oder rcamerinov gern dem Auge gefällige Gemälde fammelten und am 
Bilderbeütze ilch freuten. Selbftverftändlich erfchienen ihnen gemalte 
Tafeln wegen des gröfseren Farbenreizes, wegen ihrer leichteren Be- 
weglichkeit und weil iie mühelos vertaufcht werden konnten, befonders 
begehrenswerth. Diefer Umfchwung der Verhältniffe berührte auch 
Raffael in Florenz und liefs ihn beinahe ausfchliefslich Tafelbilder malen. 
Sein Wirken während der Horentiner Jahre bewegt {ich fogar in noch 
engeren Grenzen. Die Gegenllände, welche er mit Vorliebe auf den 
Tafeln verführt, fmd vorzugsweife Madonnen und heilige Familien, fo 
dafs gar nicht weit von der Wahrheit abweichen würde, wer {eine 
Horentiner Thätigkeit unter dem Titel (Raffaels Madonnenmalereiv 
wumfafste. 
So lange die Anregungen der umbrifchen Schule ausfchliefslich 
Raffaels Phantafie beherrfchten, hat er nur ein einziges bedeutendes 
Madonnenbild felbftändig gefchaffen, die zierlich feine Madonna Conne- 
Pcabile, welche leider vor wenigen Jahren nach Petersburg verkauft und 
auf diefe Weife aus der Sehweite der Kunftkreife Europas gerückt wurde. 
Während feiner römifchen Periode gab zwar Raffael dem Madonnenideale 
zu wiederholten Malen Leben und Körper; aber abgefehen davon, dafs 
in den fpäteren Madonnen häufig nur ältere florentiner Entwürfe aus- 
klingen und in vielen Fällen die Ausführung Schülerhänden anheim hel, 
können für diefe Zeit Tafelbilder niemals als die Hauptfchöpfungen des 
Meifters angefehen werden. Gerade die befien unter ihnen ftehen unter 
dem Banne der Frescomalerei, in welcher Raffaels vollkommen gereifte 
Natur ihre höchfte Befriedigung fand. In den  florentiner jahren treten 
die Madonnenbilder nicht allein in Bezug auf ihre Zahl in den Vorder- 
grund: fie flnd auch die Schule, in welcher die Phantafie des Künftlers 
ihre volle Freiheit und Selbftändigkeit gewinnt. Man möchte zwar bei 
dem erPcen rafchen Ueberblicke glauben, dafs Raffaels Entwickelung in 
Florenz einen Rückschritt gethan. Die Hgurenreichen, kunftvoll ge- 
gliederten Compofitionen feiner Jugendzeit weichen einfachen, fcheinbar 
kunftlofen Gruppen, welche das Auge des Malers der Natur, der unmittel- 
baren Umgebung abgelaufcht und treu auf die Tafel übertragen hat. 
Aber jene Compofitionen beruhten auf fremden Vorlagen, in diefen ein- 
fachen Gruppen fpiegelt fich bereits hell und klar die fchöpferifche 
Begabung des Mannes, welcher feinem Werke das" Gepräge der Natur- 
SPFinger, Raffael und Michelangelo. 1. 6
        

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