Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1530724
Die 
Madonnen 
RafTaePs. 
 ilt Vafari als gut unterrichtet, fo haben die Schlachtcartons 
  Leonardos und Michelangelds, deren Ruhm die weiteften 
  Künftlerkreise durchdrang, den jungen Raffael nach Florenz 
 Vgelockt. Offenbar ist aber die Quelle der Behauptung 
E16)- nur der Wunsch Vafaris, den Wechsel im Schicksal feines 
Helden mit einem grofsenhEreigniffe zu verknüpfen, ein Verfahren, 
welches der hiftorifchen Kunfi: beffer entfpricht als der hiftorifchen 
Wahrheit. Raffaefs Beziehungen zur Horentiner Kunft find älter als 
die Schlachtcartons, deren Vollendung in das Jahr 1505 angefetzt 
wird. Dafs Raffael den Reiterkampf Leonardois zum GegenPcande feiner 
Studien gemacht hat, beweisen Hiichtige Skizzen, welche er nach 
demfelben entworfen. ü) Der hieroifche Stil, der grofse plaftifche Zug 
jener Werke lag aber von feinen knächiien Zielen weit ab. Wohl übten 
Michelangelo und namentlich Leonardo auf den jugendlichen Künitler 
nlachtigen Einflufs, aber nicht durch die Schlachtcartons, fondern durch 
ihrer, leichteren Schöpfungen, die Madonnenbilder z. B., welche ihm den 
Wohllaut der einzelnen Geftalten, die. Kunft freier Gruppirung in einem 
neuen Licht offenbarten und zu einer Aenderung der Typen, zu einer 
Wandlung der Zeichenweife anregten. Raffael betrieb in feinen Horen- 
tiner Jahren überwiegend die Tafelmalerei. Die technifchen Fortfchritte, 
welchen fo viele tüchtige Kräfte in Quattrocento eifrigft nachgegangen, 
wurden in diefer Kunfigattung am glänzendften verwerthet. Befonders 
feitdem Leonardo dieiftaunenden Genoffen in die Geheimniffe unendlich 
reizender Farbenpoefie eingeweiht, fliegen die Oelgemälde zu nicht ge- 
ringein Anfehen empor. Die Nöthen und Wirren der Zeit engten über- 
diefs die fonil fo reiche Pflege der Wandmalerei ein; kaum dal's da und 
dort eine Kirche oder ein Klofier für wenig Geld und gute Worte bei 
einem Maler ein monumentales Werk beflellten und das in glücklicheren 
Zeiten Begonnene zu Ende führen liefsen. Der Ueberfchufs der Kunft- 
Oxford 
153 
Dresden
        

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