Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1530583
RAFFAEDS 
JUGEND 
UNI) 
LEHRZEIT. 
Ueberlegen zeigt er f1ch demfelben in dem tieferen Ausdruck der Köpfe, 
in der feineren Modulation der Gelten. Sogläfst die Madonna bei Raffael 
wie auf den Kreuzigungsbildern Peruginds (vgl. z. B. das Bild bei Rofini 
tav. 70) die gefalteten Hände in fiummem Schmerze herabhängen; auf 
dem Raffaeffchen Gemälde ift ihre Lage ein wenig höher, aber gerade 
diefes Wenige ift für die Wahrheit der Empfindung entfcheidend. Die 
unendlich reichere Naturbegabung des Jünglings bricht in folchen Dingen 
fiegreich durch. Dagegen hätte er bei längerer Kunflübung es wahr- 
fcheinlich vermieden, dem Engel zur Linken in jeden Arm einen Kelch 
zu geben und nicht den Blicken der beiden Knieenden und den Augen 
der beiden flehenden Figuren fiets diefelbe Richtung verliehen. Perugino 
als der gefchultere Praktiker löft durch Contrafte die Gleichförmigkeit. 
Auch den Vortheil weifer Bedachtfamkeit mufs er aber bald an feinen 
Schüler abtreten. Raffaels Vermählung und Krönung Mariae gehen 
gleichfalls auf Compofitionen Peruginds zurück, erfcheinen aber keines- 
wegs als befangene Nachbildungen, fondern zeigen geradezu vollkommen 
und vollendet, was der ältere Künftler mit befchränkten Kräften an- 
gePcrebt 
xläazfte. 
Die Vermählung Mariaeäi) (lo spofalizio) befand {ich auf ihrem 
urfprünglichen Standorte in der Kirche San Francesco in Citta di Caftello 
bis zum Jahr 1798, kam dann in die Hände eines franzöfifchen Generals 
lombardifcher Abkunft und fchliefslich in die Galerie Brera in Mailand. 
Raffael vollendete diefes Bild, wie die Infchrift fagt, imjahre 1 504. (Fig.2I.) 
Peruginds Darftellung desfelben Gegenftandes {tammt aus der Zeit, in 
welcher {ich Raffael in feiner Werkßatt aufhielt und ift gleichfalls in 
dem Revolutionskriege als Beutefiück von den Franzofen aus Perugia 
entführt worden. Gegenwärtig erfreut {ich des Belitzes das Mufeum in 
Caen. Die materielle Befchreibung der beiden Bilder weicht kaum merk- 
lich ab. Da und dort fchliefst die Tafel oben im Halbrund ab und {teigt 
im Hintergrund ein kleiner Polygonaltempel empor, die reizende Vor" 
ahnung der Bauten Bramantes. Die Mitte des vorderften Planes nimmt 
der bärtige Hohepriefter ein, welcher die Hände des Brautpaares zu- 
fammenlegt; ein zierlicher Frauenchor begleitet Maria, auf Jofephs Seite 
liehen mit verdorrten Stäben die zurückgewiefenen Freier, unter ihnen 
der leidenfchaftlichfle im Begriffe, feinen Stab zu zerbrechen. Bei fchär- 
ferer Betrachtung des RaffaeYfchen Werkes überfieht man aber über den 
Stich 
VOII 
Stang.
        

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