Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1530562
RAFFAEDS 
JUGEND 
UND 
LEHRZEIT. 
und mit Skizzen und Entwürfen (Lille und Oxford) begnügen. Nach 
einer in Lille bewahrten Handzeichnung (Braun's Photogr. N0. 95) zu 
fchliefsen, verfuchte {ich Raffael in diefem angeblichen Erftlingswerke im 
grofsen Stile und fchuf ein Bild, das im Gegenfatze zu allen übrigen 
Jugendleiftungen eine durchaus felbPtändige Compofltion offenbart und 
zugleich eine vollkommen iichere Herrfchaft über die Formen, natürlich 
innerhalb der Schulgrenzen, verräth. Der h. Nicolaus mit Kreuz und 
Buch in den Händen tritt als Sieger den böfen Feind mit Füfsen. Ihm 
zur Seite ftanden zwei Engel, von welchen das Liller Blatt nur jenen 
zur Rechten des Heiligen zeigt. Ueber diefer unteren Gruppe fchwebten, 
halb in Wolken verhüllt, nur mit dem Oberleibe fichtbar, ChflflllS mit 
der Madonna und dem h. Auguftin, Kronen haltend. Die Zeichnung 
zeigt theilweife nur erft die rafch hingeworfenen Studien nach dem Modell; 
um fo überrafchender wirkt die feine Zierlichkeit der Bewegungen, die 
Lieblichkeit des Ausdrucks. (Fig. 20.) Nach der Ueberlieferung foll Raffael 
diefes Bild bereits in feinem fiebzehnten Jahre gemalt haben. Die Hand- 
zeichnungen fagen das eine aus, dafs der jugendliche Meifter, als er die 
Krönung des h. Nicolaus entwarf, mindeftens die gleiche Reife befafs, 
welche die anderen für Cittä di Caftello gefchaffenen Werke enthüllen. 
Diefe, aber, das Crucifix in San Domenico und die Vermählung Mariae 
in S. Francesco, ünd 1503-1504 entftanden. 
Das Crucifixmii"), ein Gegenbild zu Signorellfs S. Sebaftian, prangte 
in prachtvollem Steinrahmen auf einem Nebenaltar des __Qhorefs_ in San 
Domenico und gelangte in unferem Jahrhundert nach mannigfachen Irr- 
fahrten in den Befitz des Lord Ward (Dudley-House) in London. In- 
mitten einer füllen, Schwermuth athmendenLandfchaft, die in leichten 
Wellenlinien gegen ferne Hügel emporfteigt, iPt das hohe Kreuz 1nit dem 
bereits todten Chriftus, einer gePcreckten, hageren Geftalt, aufgerichtet. 
Fliegende Engel halten unterhalb der Kreuzesarme Kelche bereit, das 
Blut, das aus den durchbohrten Händen und aus der Bruiiwunde Chrifli 
fliefst, aufzufangen. Zu Füfsen des Kreuzes knieen Hieronymus und 
Magdalena, an welche {ich die ftehenden Gefialten Marias und Johannes" 
anreihen. Die Abhängigkeit des Malers von den gleichartigen Bildern 
feines Lehrers ift unverkennbar. Er hält {ich genau an die von Perugino 
beliebte Anordnung der Scene, wiederholt einzelne Stellungen und ABe- 
wegungen und umzieht die Figuren mit ähnlichen Linien wie fein Meiiier. 
4') Zuerft befchrieben von Lanzi. I. 3 52. 
befindet üch in der öffentlichen Sammlung in 
 Stich von L. Gruner. 
Eine frei behandelte 
Cittä di Caflello. 
Copie
        

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