Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1530555
ARBEITEN 
FÜR 
CASTELLO. 
Wechfel reicheres Leben, tieferer Ausdruck, lautere Schönheit den ein- 
zelnen GePtalten wie den Gruppen aufgeprägt wird. Bei aller Innigkeit 
des Anfchluffes an den Meißer wahrt {ich doch Raffael {eine Freiheit, 
und {pricht in diefen, oft ganz leifen, immer entfcheidenden Aenderungen, 
ohne es zu wollen, ein feftes Urtheil über Peruginds engbegrenzte Weife 
aus. Eine {olche Objectivität konnte {ich Raffael allerdings am rafcheften 
erwerben, wenn ihm die Gelegenheit zum Vergleichen gegeben wurde, 
die Uebung {eines Kunftünnes nicht auf ein einziges befchränktes Feld 
angewiefen blieb. Daran fchliefst llCll noch eine andere Beobachtung. 
Bei grdfseren Altarwerken erfcheint das Hauptbild gewöhnlich mit 
geringerer Freiheit entworfen und {tärker an ältere Mufter angelehnt, 
als die kleinen St-affelbilder, die {ogenannte Predella. In diefen wagt 
{ich der jugendliche Maler muthiger heraus und betritt ohne Scheu einen 
weiteren Kreis-des Lebens und der KunPc. Hier läfst er z. B. floren- 
tinjfghe EinHüffe offener walten, während die Hauptbilder noch an dem 
Herkoninaren der Schule fefihalten und in der confervativen Richtung 
beharren. Natürlich geben die Predellabilder den befferen Schlüffel für 
die Entüehung der Werke ab. 
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In zwei umbrifchen Städten fand Raffael fchon in früher Jugend 
Gönner, in der Hauptftadt des Landes und in Citta di Caftello. Hier 
im oberen Tiberthale hatte flch die Familie der yitelli zu Reichthum, 
Anfehen und fchliefslich zur Herrfchaft emporgefchwungen. Wie fo viele 
andere Glücksfürften Italiens erkannten auch die Vitelli in der Bauluft 
und Prunkliebe wichtige Hebel der politifchen Macht. Ihrem Beifpiele 
dankte Cittä di Caftello, dafs es im Laufe des I5.]ahrhi1nderts zu einer 
anfehnlichen Stadt anwuchs, in welcher Renaiffancearchitekten Kirchenv" 
und Paläfie glänzend fchmückten, die Terracotten aus der Schule Robbias 
eine grofse Beliebtheit gewannen, und zahlreiche Maler aus Cortona, 
Fabriano, Perugia Befchäftigung fanden. 
 Drei Werke RaffaeTs nennt Vafari für drei verfchiedene Kirchen in 
Cittä di Caftello gemalt. Den Inhalt der für S. Agoftino beftimmten 
Tafel bezeichnet er nicht näher, doch herrfcht keinb Zureffel, dafs unter 
derfelben das hier bis 1789 bewahrte Altarbild: die Krönung des h. 
Nicolaus von Tolentino verflanden werden müffe. "Es ift das einzige in 
diefer Kirche, welches die TraditionRaffael zufchrieb. Leider befitzen 
wir nicht die geringfte Spur, was aus demfelben geworden, nachdem es 
Papft Pius VI. in mehrere Einzelbilder zerfchneiden liefs, und müffen uns 
mit Befchreibungen, die aber nur nach dem Hörenfagen verfafst find.
        

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