Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1530539
EINFLUSS 
PERUGINOS. 
hier nicht der nachbeffernden Hand des technifch noch mangelhaft 
gefchulten Raffael. Man geht alfo vollftändig irre, wenn man gerade 
aus der gröfseren Schönheit der Malerei auf Raffaefs Mitwirkung fchliefst; 
die blofse Abweichung von Peruginds Weife allein Weift aber nicht 
nothwendig auf Raffael zurück. Noch andere jüngere Kräfte weilten in 
Peruginds Nähe, wie denn in der That in vielen Fällen, wo man Raffaefs 
Thätigkeit wahrzunehmen glaubte, eine Verwechslung mit 10 Spagna 
oder mit Eufebio di S. Giorgio u. A. ftattfand, wenn nicht ganz einfach 
der XVunfch, ein Bild Raffaefs zu befitzen, der Vater des Glaubens wurde. 
Schon wenige Jahre nach RaffaeYs Eintritt in die Werkftätte Peru- 
ginols trat ein Wechfel in feinem äufseren Leben ein. Der Meifter ver- 
liefs Perugia und nahm wieder inllgrenz feinen ftändigen Aufenthalt. Die 
kriegerifchen Unruhen, weithin im Lande durch den Ehrgeiz der Borgia 
erzeugt,- mochten ihn zu diefem Entfchluffe gebracht haben. Zwar war 
auch in Florenz die Kunftpflege gegen die alten glorreichen Zeiten 
diirftig geworden; immerhin gab es doch hier mehr Befchäftigung als 
in der nahe am Kriegsfchauplatze gelegenen umbrifchen Stadt. Und da 
in Florenz damals, wie die Signoria von Florenz ihrem Abgefandten in 
Frankreich klagend bemerkte, die guten Meifter zu fehlen anfingen, fo 
durfte Perugino auf eine reiche Befchäftigung hoffen. Die Thatfache 
feiner Ueberfiedlung nach Florenz 1502 wurde uns durch den jüngft 
veröffentlichten Briefwechfel der Markgräfin Ifabella von Mantua n1it 
ihrem florentiner Bevollmächtigten bekannt. Die Gemahlin Gonzagas 
niinfchte für ihr Cabinet auch ein Bild des vberühmtem Perugino zu 
befitzen. Ein Verfuch, durch die Vermittelung Giovanna's della Rovere 
1500 zu einem folchen zu gelangen, mifslang. Später, [im Herbfte 1502, 
zeigt der nach Florenz überfiedelte Maler Geneigtheit, der erlauchten 
Kunftfreundin zu dienen. Er empfängt ein Aufgeld, unterfchreibt den 
Contract und läfst die Maafse für das Bild kommen; erft im November 
1504 beginnt er aber die Zeichnung und vollendet das Bild im Juni 1505. 
Wlährend diefer langen Zeit weilt er allerdings öfter aufserhalb Florenz, 
in Bädern, in Siena, in Perugia, hier, wie angegeben wird, um__Rechts- 
händel zu fchlichten: immer bleibt bei allen Betheiligten die Voraus- 
fetzung beftehen, dafs er regelmäfsig in Florenz lebe, wo feine Frau, 
die fchöne Clara Faiicelli, wohnte und er eine Werkitätte befafs. Vom 
Beginn des Jahres 1504 an bringen noch andere längft bekannte That- 
fachen die Beftätigting dafür bei. 
Folgte Raffael alsbald feinem Meiiter oder blieb er noch dauernd 
Giornale 
erudiz. 
artistica 
73H.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.