Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1530441
RAFFAEDS 
JUGEND 
UND 
LEHRZEIT. 
wurde. Wiffensdrang und Kunfiliebe beherrfchten ihn in gleichem Maafse, 
wie die voniiihrn gefliftete Bibliothek offenbart, deren reiche Bücher- 
fchätze mit der glänzenden Ausilättilng der Räume wetteiferten. Durch 
kunflreiche Maler liefs der Herzog alle iHelden des Geifies der alten 
Heidenwelt wie der chrifllichen Zeit von Mofes und Salomon bis auf die 
heiligen Auguflinus und Thomas herab, ivon Homer, Platon und Ariftoteles 
bis zu Dante und Petrarca fchildern, und diefe Phantafieporträts im Biblio- 
thekfaale aufftellen. Auch Apoll mit den neun Mufen, der Schutzpatron 
der Humaniften, fehlte nicht. In den Schränken aber prangten in trefflicher 
Auswahl die Werke des wheiligen Collegiums der Theologem, der alten 
und neuen Philofophen, der berühmteften Poeten und vornehmften juriften. 
Ob die landfchaftlichen Eindrücke aus der Jugendzeit auf Raffaels 
Empfindungen nachhaltig wirkten, läfst {ich fchwer beflimmen; einen 
tiefen Einliufs möchte man kaum annehmen, da fie durch idie fpäteren 
mächtigen Reize von Florenz und Rom wohl zurückgedrängt werden 
mufsten. Dagegen hat die durch Herzog Federigo nach Urbino gelenkte 
geiftige Strömung unflreitig lange Wellenkreife zurückgelaffen, welche in 
dem ganzen Leben Raffaels nachzitterten. Ein humaniftifch gefinnter 
Hoß eine Kunft, welche dem Heroencultus dient, die grofsen Männer der 
Vergangenheit nicht als blofse Perfonificationen abfiracter Begriffe fafst, 
wie das Mittelalter that, fondern als felbftändige lebendige Perfonen ver- 
herrlicht, eine heitere und glänzende Bildung, begünftigt durch die Ab- 
wefenheit wilder Parteileidenfchaften, gefördert durch die Erfchloffenheit 
gegen die grofse Welt, das waren die älteften Traditionen in Raffaefs 
Letien. Sie hafteten um fo ftärker, als Raffaels Familie für Herzog 
Federigds Perfönlichkeit und Thaten die regfte Theilnahme zeigte. 
Raffaefs Urgrofsvater Peruzzolo war um die Mitte des Jahrhunderts 
aus dem kleinen zwifchen Urbino und dem Meere gelegenen Flecken Col- 
bordolo in die Hauptfiadt der damaligen Graffchaft eingewandert. Der 
Grofsvater Sante erfcheint als ein auffteigender Mann, der durch Glück im_ 
Haiideliund Wandel Grundeigenthum und ein Haus in der Contrada del 
moiite  Raffaels Geburtshaus  erwarb. Wie es kam, dafs Sante's Sohn, 
Qiovanni, Maler wurde, wird uns nicht berichtet. Giovanni Santi erzählt 
felbft," dafs er erft, nachdem er die mannigfachflen Erwerbszweige ver- 
fucht, die wunderbare Kunit der Malerei ergriffen habe. Dafür, dafs er 
die künfllerifche Erziehung {o fpät begann, hat er es überrafchend weit 
gebracht. Und die Malerei war nicht die einzigeKunPc, welcher Giovanni 
feine Mufse widmete. Die Thaten Federigds weckten feine_dichterifche 
Kraft und begeifierten ihn zu einer Lebensbefchreibung des Herzogs in 
Terzinen. Wir ehren die treue Hingabe des biederen Giovanni an das
        

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