Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1530217
STPIFUE 
DES 
DAVID. 
die Zeit Jenen Recht gab, welche einen gedeckten Aufftellungsort em- 
pfohlen hatten. Der zunehmende Verderb des Marmors heifchte dringend 
die Entfernung von dem alten Standort. Die Statue, 180 Centner fchwer, 
wurde im Sommer 1873 in die Akademie übertragen. 
Kein plaftifches Werk Wichelangelos erntete bei den Zeitgenoffen 
fo reichen Ruhm wie der David. Vafari preift den Wundermann, der 
einen Todten, den verhauenen Block, wieder zum Leben erweckte, und 
verfichert, dafs Michelangelds David alle antiken und modernen Statuen, 
die griechifchen und römifchen, weit hinter fich laffe. Die Kühnheit und 
Sicherheit des Meifters wird in der That ftets das gröfste Staunen 
erregen. Vorgefchrieben und gegeben war ihm nicht allein der Gegen- 
{tand der Darftellung, gegeben waren auch die Maafse und Proportionen 
und mit ihnen die engite Schranke für Stellung und Bewegung. Dennoch 
merkt mankaum den Zwang und wird gewifs niemand aus der Geftalt 
allein die Gefchichte des Werkes errathen. Den biblifchen Hirtenknaben 
freilich konnte und wollte Michelangelo nicht verkörpern. Die V olks- 
ftimme wufste dies. Für fxe gab es niemals einen David, fondern immer 
nur einen sGigantent. Und das bleibt auch der richtige Name, nicht 
allein wegen der auffalligen koloffalen Verhältniffe, fondern auch wegen 
des deutlichen Anklanges an die berühmteften Riefenftatuen des Alter- 
thums, an die Koloffe von Montecavallo. Natürlich hielt flch Michel- 
angelo hier wie überall von jeder unmittelbaren Nachahmung frei; ohne 
das vorhergehende Studium diefer antiken Werke in Rom hätte er aber 
niemalsidie fchwierige Aufgabe fo vollkommen bewältigt, vielleicht nicht 
einmal die Luft und die Macht gewonnen, das Wagnifs zu verfuchen. 
Den Heldenbildern Roms hat er die einheitliche Durchbildung der Körper- 
formen abgelaufcht, fo dafs diefelben bei aller packenden Naturwahrheit 
einem gemeinfamen Gefetze untergeordnet fich zeigen, ihnen das Ge- 
heimnifs durchgängiger Belebung einer nackten Geftalt abgelernt. Sein 
Heros zeigt freilich äufserlich eine ruhige Haltung; doch durchzuckt eine 
einheitliche Bewegung von innen aus alle Glieder und erfcheint der ganze 
Leib auf eine Action hin gefpannt. Die erhobene Linke hält die 
Schleuder bereit, die am Leibe herabhängende Rechte birgt den Kiefel. 
Mit trotzigem Ausdrucke, den Kopf nach links gewendet, erwartet der 
Kämpfer den Gegner; im nächften Augenblicke, ehe noch der fcharf 
beobachtete Feind einen Entfchlufs gefafst, wird David zum Angriffe 
übergehen. 
Nicht genug kann es beklagt werden, dafs eine zweite Davidftatile, 
welche Michelangelo bald nach dem vGigantene fchuf, "Tilfärxfe der Zeit 
fpurlos verloren ging. Der Vergleich würde die Bedeutung jedes einzelnen
        

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