Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1530206
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MICHELANGELOS 
JUGEND. 
und liefs über deren Vorfchlage ein Protocoll aufnehmen, das Üch glück- 
licher Weife bis zum heutigen Tage erhalten hat. Es gehört zu den 
anziehendften und wichtigPcen Urkunden der italienifchen Kunftgefchichte, 
fowohl wegen der Autorität der Berufenen, als auch wegen der Wichtig- 
keit der Sache. 
Die Verfammlung zählte__dreifsig Männer. In ihr befanden {ich die 
angefehenften Künftler, welche Florenz damals befafs, von Architekten: 
Simone il Cronaca, Giuliano und Antonio da Sangallo, dann die Bild- 
hauer Andrea dal Monte Sanfavino und Andrea della Robbia, ferner die 
Maler Cofnno Rofelli, Filippino Lippi, Sandro Botticelli, Pier di Cofimo, 
Lorenzo di Credi, Pietro Perugino und endlich Leonardo da Vinci. Der 
Horentiner Künftlerkatalog aus dem Anfang des fechzehnten Jahrhunderts 
fallt mit der Summe der Theilnehmer beinahe zufammen. 
Zwei Meinungen ftanden {ich vorzugsweife gegenüber. Die eine 
Partei, angeführt von Giuliano da San Gallo und Leonardo empfahl die 
Loggia als Aufftellungsort und machte dafür fo triftige Gründe geltend, 
insbefondere den befferen Schutz für das Marmorwerk, dafs die Zurück- 
weifung diefer Anficht fchwer verftändlich wäre, hätte flch nicht das 
Votum des Maeftro Francesco, des Herolds der Signorie, erhalten. 
Maeftro Francesco, bei welchem die Umfrage begann, fchlug dringend 
den Platz am Eingange vor dem Signoren-Palafte vor. Dort Pcand feit 
1495 Donatellds Judith. Die Florentiner hatten nach der Verjagung 
Piero Medicfs das berühmte Bronzewerk aus der Cafa Medici geholt, 
und das biblifche Bild des Tyrannenmordes paffend erachtet, den Ein- 
gang zum Palafte der Signorie zu bewachen. Es galt, wie auch die 
Infchrift: wExemplum salutis publicae cives posuerer zum UeberHufs 
bekundete, als politifches Wahrzeichen. Eben defshalb mifsflel es dem 
Maestro Francesco und mit ihm gewifs noch vielen anderen. Diefe 
Judith, fagte er, .müffe nothwendig entfernt werden. Es fei unziemlich 
zu fehen, wie ein Weib einen Mann tödte, und überdies habe {ich die 
Gruppe als ominös erwiefen. Seit He vor dem Palafte flehe, gehe es im 
Kriege mit Pifa immer fchlechter. Wahrfcheinlich, dafs diefe Erwägungen 
fiegten; jedenfalls wurde der Anficht des Maeftro Francesco gemäfs be- 
fchloffen und die Riefenftatue vor dem Palafte aufgeftellt. Vier Tage 
(I4._I8. Mai) "währte der Transport von der Bauhütte bis zum Platze 
der Signorie. Es erfchien den alten Chroniflen wichtig genug, den ganzen 
Vorgang unter den Pcädtifchen Ereigniffen zu verzeichnen und fowohl 
die wohlerfonnenen Bewegungsmittel zu befchreiben, wie die Nothwendig- 
keit einer nächtlichen Wache zu erwähnen, weil Uebelwollende mit Steinen 
nach der Statue warfen. Ein moderner Chronift würde hinzufügen, dafs
        

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