Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1530164
MICHELANGELUS 
JUGEND. 
Jacopo Galli gearbeitete Statue zu erkennen glaubten. Das geht nun 
nicht mehr füglich an, felbft wenn wir den (leeren) Köcher mit (bronzenen) 
Pfeilen gefüllt denken. Es fehlt das von Aldrovandi hervorgehobene 
Gefafs zu Füfsen des Gottes. Immerhin dürfen wir, wenn auch nur aus 
ftiliftifchen Gründen, in dem ungeflügelten Cupido des Kenfmgton-Mufeums 
ein jugendwerk Michelangelds begrüfsen. 
Der jugendliche Gott iPc halb knieend, halb fitzend, mit unter- 
fchlagenem rechten Beine  ähnlich wie der berühmte Horentiner 
Schleifer  dargeftellt. Der Kopf ift in fcharfer Wendung nach der 
Seite gedreht; mit dem einen Arme greift Cupido vor, als wollte er 
vom Boden einen Pfeil aufheben; im anderen (reitaurirten) hochgehobenen 
hält er den Bogen. Die Lehre von der Wirkung der Contrafte erfcheint 
hier beinahe urie in einem akademifchen Exempel verkörpert. Der Kopf 
und der Torfo, die beiden Arme und Beine zeigen nachdrücklich betonte 
Gegenfätze in Stellung und Bewegung. Auffallen mufs es, dafs Michel- 
angelo fein Werk unvollendet zurückliefs. An den Haaren und an den 
auf dem fchwarzen Sockel ausgebreiteten Gewandftticken fehlt die 
letzte Hand.   
2a 
Vier Jahre währte Michelangelds Aufenthalt in Rom, feinem Vater 
viel zu lange, der nicht aufhörte, ihm die eigene Noth zu klagen und 
zur baldigen Rückkehr in die Heimath zu mahnen?) INias konnte dem 
Künitler aber die I-Ieimath bieten, welche im Innern fortwährend Ver- 
faffungskrifen überftehen mufste, nach aufsen durch den Krieg mit Pifa 
befchäftigt war und in {teter Furcht vor den lauernden Medicis und dem 
eroberungsluftigen Cefare Borgia, diefem ruchlofeften aller Kraftmenfchen, 
lebte? Zum Glück für Michelangelo bedachten ihn römifche Freunde 
mit einem gröfseren Auftrage, welchen er nach feiner Heimkehr 1501 
in Florenz ausführen konnte. Der Cardinal Francesco Piccolomini, nach 
dem Tode Alexander's VI. auf den päpftlichen Thron unter dem Namen 
Pius III. erhoben, hatte in Siena ein Familienheiligthunl zu Pciften be- 
fchloffen. Im Sienenfer Dome follte eine F amilienkapelle errichtet werden, 
und ein Bücherfaal, an diefelbe anitofsend, die von dem grofsen Ahnen, 
von Aeneas Sylvius hinterlaffenen Bücherfchätze bergen. Wunderbar 
greifen Frömmigkeit und Ruhmesfehnfucht ineinander, fo dafs man kaum 
Weifs, ob das Gefchlecht der Piccolomini mit gröfserem Stolze auf den 
Papft Pius II. oder auf den Humaniften Aeneas Sylvius zurückblickte. 
Gotti
        

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